Diskussion: Macht Schönheit erfolgreich?

18. April 2015, 18:05
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Der Norm entsprechende Schönheit als Expressticket zum Joberfolg? Eine Podiumsdiskussion zum großen Tabuthema

"Wenn Sie für eine Sekretariatsstelle zwei Bewerberinnen gleicher Qualifikation haben, eine übergewichtig und mit fettem Haar, die andere schlank und adrett - welcher geben Sie den Posten?" Diese direkte Frage von Helene Karmasin, Doyenne der Motivforschung, die ihre Expertise nunmehr in neuem Unternehmen unter ihrem Namen auf dem Markt hat, gerät zu einer rhetorischen, weil keiner der mehrheitlich aus der Branche der Personaler stammenden Zuhörer darauf antwortet.

Schönheit öffnet Türen

Das darf beim "Expertenclub" des bfi Wien in dieser Woche als Beleg dafür gelten, dass Schönheit auf dem Arbeitsmarkt punktet, zumindest Türen weiter öffnet. Karmasin, Autorin des Buchs "Wahre Schönheit kommt von außen", führt nebst Material aus der Attraktivitätsforschung eine ganze Reihe von Beispielen aus Werbung und Marketing an, die sich an den Schablonen der gesellschaftlich normierten Zurichtung des Körpers nach dem Schönheitsideal richten. Und ja, Gesellschaften greifen in den Körper ein, verschiedentlich, je nach Kultur. Dass ein solches Entsprechen in Zeiten der performativen Ökonomie, der Aufmerksamkeitsökonomie, nichts mit beruflichem Erfolg zu tun habe, erscheint als absurd.

Keine Bewerbungen ohne Bild

Da hilft auch nicht, wenn im Saal mit Kompetenzen und Skills argumentiert wird. Marion Maurer, Personalchefin von McDonald's argumentiert mit den wesentlichen Kriterien von Bewerbern, bei denen Teamfähigkeit im Zentrum stehe. Möglicherweise, wird versucht, die Firmenvertreterin auf dem Podium aufs Glatteis zu locken, möchte man in der Filiale von gänzlich unattraktiven Menschen nicht so gerne einen Burger kaufen, weil der dann in der Erfolgsgesellschaft keinen entsprechenden hedonistischen Mehrwert ausstrahle. Sie lässt sich nicht locken und bleibt professionell sachlich.

Von Bewerbungen ohne Bild zwecks Ausschließens eines Bias in Richtung Attraktive beim Recruiting hält sie nicht viel: Dass es am Ende im persönlichen Gespräch um den Teamfit gehe, lasse sich nicht vermeiden. Und dazu gehöre ein "Gesamtpackage".

Christian Pöttler, Geschäftsführer und Miteigentümer im Medienhaus Echo-Verlag, wischt die Befunde und Erkenntnisse zum Thema Rendite der Schönheit gekonnt locker vom Tisch: Erfolg mache schön, nicht umgekehrt.

Beauty-Forschung eindeutig

Nun, da bleiben die jahrzehntelangen Forschungsergebnisse in hartem Licht im Raum stehen: Demnach dient es dem Aktienkurs, wenn der CEO groß und schön (objektivierbar durch Merkmale wie ein ausgeprägtes Kinn, entsprechend hohe Körpergröße) ist. Demnach verdienen große Männer bis zu 15 Prozent mehr ("beauty premium" heißt dieser Effekt), demnach traut man Attraktiven mehr zu, schreibt ihnen Vitalität, Durchsetzungskraft, ja sogar im Stereotypenpaar Gutsein (wie im Märchen) zu.

Schönheit nur Frauenthema?

Christian Pöttler hält davon nichts. Und die exponentiellen Umsatzanstiege der Schönheitsindustrie inklusive ihrer Auswüchse massiv invasiver Eingriffe? Vielleicht ein Frauenthema, sagt Pöttler. Gut, und wenn: um wem warum und wozu zu gefallen? Und wieder steht das Tabu der Erfolgszuschreibung an die Schönen im Raum. An dieser Stelle wird der selbstbewusste Auftritt der Erfolgreichen im Job ins Spiel gebracht. Ja, aber wenn erwiesen ist, dass schöne Babys mehr Aufmerksamkeit erringen - auf welchem Nährboden wächst Selbstbewusstsein dann am leichtesten, wenn nicht auf diesem? Wieder im Raum: T-a-b-u.

Ausnahme Nerds

Karmasin fällt nur eine Branche ein, in der Nichtschönheit Erfolgskriterium ist: die Nerds. Und die Schattenseiten der Schönheit? Im Wesentlichen bloß für Frauen vorhanden, sagt sie, weil dann schnell die Intelligenz abgesprochen werde.

Also: Zu schön ist mühsam ("beasty effect", sagt dazu die Forschung). Wenn sie versöhnlich bleibt, formuliert sie: Zumindest die Disziplin, entsprechend der Norm brav am Körper zu arbeiten, sei Erfolgskriterium und müsse sein. Disziplin. Alles im Griff auf der außenreferenzierten Erfolgsbühne. (red, DER STANDARD, 18.4.2015)

  • Wenn es nur so leicht, entspannt und offen zu besprechen wäre: Über die Rendite der Schönheit diskutierten beim "Expertenclub" des bfi Wien Helene Karmasin, Marion Maurer (Personalchefin McDonald's), Christian Pöttler (Geschäftsführer Echo-Medienhaus) und Moderatorin Karin Bauer.
    foto: urban

    Wenn es nur so leicht, entspannt und offen zu besprechen wäre: Über die Rendite der Schönheit diskutierten beim "Expertenclub" des bfi Wien Helene Karmasin, Marion Maurer (Personalchefin McDonald's), Christian Pöttler (Geschäftsführer Echo-Medienhaus) und Moderatorin Karin Bauer.

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