Fondsbranche soll transparenter werden

18. April 2015, 09:00
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Anleger haben Fonds wieder entdeckt. Aber auch die Aufsichtsbehörden wachen über der Branche - die Transparenz soll erhöht werden

Wien - Die Fondsbranche kämpft - ähnlich wie die Banken - seit geraumer Zeit mit einer Flut an neuen Vorschriften. Mifid II, Unctad oder Prip sind die Kürzel für jene Verordnungen, die bereits in der Umsetzungsphase oder erst in der Vorbereitung sind. "Nichts davon ist wirklich falsch, aber in Summe ist es zu viel", sagt Adam Lessing, Country Head für Österreich und Osteuropa bei Fidelity.

Ein Punkt dieser Neuerungen wird beispielsweise sein, dass Banken künftig jedes Gespräch, das zu einer Geschäftsanbahnung führen kann, aufzeichnen müssen. Dafür muss aber auch die Speicherkapazität geschaffen werden. Vor allem im Bereich Private Banking könnte das zur Herausforderung werden, weil Private Banker mit ihren Kunden durchaus auch Privates besprechen, das nicht aufgenommen werden darf. Folgt in so einem Gespräch aber der Hinweis auf die Veranlagung, müsste das Gespräch - oder diese Passage davon - wiederum schon aufgezeichnet werden. Auch für Telefonate am Handy muss hierfür eine Lösung gefunden werden.

Wie viel die Bank mit Kunden verdient

Banken werden künftig dem Kunden auch genau vorlegen müssen, wie viel Geld die Bank an dem Kunden selber verdient hat, etwa durch Bestandsprovisionen. Das ist jenes Geld, das eine Bank von einem Fondshaus dafür bekommt, dass die Bank den Fonds im Angebot hat bzw. an Kunden vertreibt. Das sind laut Lessing Bereiche, die der Kunde bisher nicht gesehen hat. "Die Behörden wollen damit mehr Transparenz in die Incentive-Strukturen der Branche bringen", sagt Lessing. Der Kunde muss zudem verstehen können, warum ausgerechnet er ein bestimmtes Produkt von seinem Berater empfohlen bekommen hat.

Dass für all diese Neuerungen auch neue Strukturen oder Abrechensysteme geschaffen werden müssen, fordere die Branche schon ordentlich heraus, fasst Lessing zusammen.

Aber nicht nur die Fondsgesellschaften sind mit Neuerungen beschäftigt - auch auf Anleger kommt mit der geplanten Erhöhung der Kapitalertragsteuer auf Ausschüttungen von 25 auf 27,5 Prozent eine Veränderung zu, die laut Experten aber vor allem Kleinanleger bestrafe.

Gutes Umfeld

Das Marktumfeld für die Fondsbranche ist hingegen gut. Mit Aktien konnte in den vergangenen Jahren sehr gut verdient werden. "Wir befinden uns im sechsten Jahr des Bullenmarktes", sagt Lessing. In den vergangenen Wochen seien die Märkte zwar etwas volatiler geworden, der niedrige Ölpreis, die hohe Liquidität im Markt und vor allem die wirtschaftliche Erholung in den USA sorgten aber "für viel Rückenwind".

Anleihen würden hingegen immer mehr zum Problem. Fast alle Länder, die von den Ratingagenturen noch eine Einstufung von Triple-A haben, bieten ihre Staatsanleihen bereits zu einem Negativzins an. Durch die massiven Bondkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) steige die Anzahl der Länder, die negative Zinsen haben. Weil die EZB mehr Anleihen aufkaufe, als jährlich neu emittiert würden, steigen die Kurse für die Papiere, und die Zinsen sinken.

Müsse jemand im Anleihe-Segment eine höhere Performance erzielen - etwa wegen Garantiezusagen - bliebe nicht viel Alternative, als Anleihen von Unternehmen zu kaufen, auch von jenen mit etwas schlechterer Bonität. Es bliebe in diesem Fall gar kein anderer Weg übrig, als ins Risiko zu gehen.

Bei Fidelity ist man daher dazu übergegangen, mit den Kunden nicht nur die einzelnen Assetklassen zu besprechen, um eine Aufteilung zwischen Cash, Anleihen und Aktien herzustellen. "Wir sprechen mit Kunden jetzt verstärkt darüber, was sie mit der Geldveranlagung erreichen wollen", sagt Lessing. Soll es um ein späteres Zusatzeinkommen gehen, um einen Werterhalt des veranlagten Vermögens oder darum, am Wachstum zu partizipieren? Daraus ergebe sich dann das Produkt für den Kunden. "Wir haben festgestellt, dass wir die Kunden damit besser bedienen", sagt Lessing. Das drücke sich auch in der Behaltedauer der Produkte aus, die stetig steige.

Abwarten hilft

Vor allem eine lange Behaltefrist mache sich bezahlt. Denn kurzfristige Rückschläge würden sich über die Zeit immer ausgleichen. Wer Fonds etwa nur fünf Jahre behalte, laufe damit immer auch Gefahr, von Rückschlägen erfasst zu werden. Je länger man ein Produkt behalte, desto geringer sei laut Lessing das Risiko, einen Verlust zu erleiden. Wer zudem einen Fonds wähle, der mit zunehmender Laufzeit aus riskanteren Anlagen umschichte in weniger risikoreiche Bereiche, könne erzielte Gewinne auch gut absichern. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 17.4.2015)

  • Die Bullen reiten an den Börsen, der Markt läuft damit auch für Fonds gut. Auf die Branche kommen nun auch neue Vorschriften zu, um die Gebühren- und Incentive-Strukturen transparenter zu machen.
    foto: dpa/frank rumpenhorst

    Die Bullen reiten an den Börsen, der Markt läuft damit auch für Fonds gut. Auf die Branche kommen nun auch neue Vorschriften zu, um die Gebühren- und Incentive-Strukturen transparenter zu machen.

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