Napoli lässt Wolfsburg leiden

16. April 2015, 23:05
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Italiener überrollen Deutsche im Viertelfinale 4:1, Sevilla biegt Zenit - Dragovic und Kiew remis gegen Fiorentina, keine Tore in Brügge

Wolfsburg/Kiew - Eine bittere Lehrstunde musste der VfL Wolfsburg am Donnerstag im Viertelfinale der Europa League hinnehmen. Der Zweite der deutschen Bundesliga verlor das Hinspiel nach einer der schwächsten Saisonleistungen verdient mit 1:4 (0:2) gegen den SSC Neapel und steht im Rückspiel in der kommenden Woche vor einer fast aussichtslosen Aufgabe.

Aleksandar Dragovic und Co. haben sich in letzter Sekunde um eine sehr gute Ausgangsposition gebracht. Dynamo Kiew kassierte gegen Fiorentina erst in der 92. Minute den leistungsgerechten Ausgleich zum 1:1. Dragovic war über die gesamte Spielzeit im Einsatz. Einen knappen Heimsieg feierte Titelverteidiger Sevilla mit dem 2:1 nach 0:1-Rückstand gegen Zenit St. Petersburg. Keinen Sieger gab es im torlosen Duell des belgischen Spitzenreiters Club Brügge mit Dnipro Dnipropetrowsk.

Schönes Geburtstagsgeschenk für Benitez

Napoli schuf sich am 55. Geburtstag von Trainer Rafael Benitez eine exzellente Ausgangsposition. Der Tabellenvierte der Serie A, der erstmals seit 1989 wieder einmal in einem Europacup-Viertelfinale steht, darf nach dem klaren Erfolg in Wolfsburg schon fast mit dem Halbfinale planen. Gonzalo Higuain (15.), Marek Hamsik mit einem Doppelpack (23., 64.) sowie Manolo Gabbiadini (77.) sorgten für ungewöhnlich klare Verhältnisse. Wolfsburg gelang durch Nicklas Bendtner (80.) nur noch der Ehrentreffer.

"Wir haben ganz gut angefangen, das erste Tor hat uns aber total aus dem Takt gebracht", sagte Wolfsburgs Manager Klaus Allofs bei Kabel eins: "Ich weiß nicht, warum das so extrem war. Wir haben uns in diesem Jahr gut entwickelt, aber das sind dann Spiele, da hat man keine Antwort."

Vvor 25.112 Zuschauern waren die Wolfsburger im Vergleich zu den Leistungen in der Liga fast nicht wiederzuerkennen. In der Offensive fast wirkungslos, in der Defensive anfällig.

Ein Abstimmungsproblem zwischen Robin Knoche und Ricardo Rodriguez nutzte Higuaín mit der ersten Chance zur Führung. Allerdings kontrollierte der argentinische Vize-Weltmeister den Ball zunächst mit dem Oberarm. Ein langer Ball auf den Stürmer hätte nur zwei Minuten später sogar fast das 0:2 bedeutet, allerdings rettete diesmal Diego Benaglio im VfL-Tor. Wenig später war es aber dann soweit. Ein Traumpass von Higuaín verwertete Hamsik sicher. André Schürrle traf in der Nachspielzeit die Latte - es war die bis dato beste Möglichkeit der Gastgeber.

Nach Wiederanpfiff wurde es nicht viel besser. Wieder tauchte Higuaín alleine vor Benaglio auf - doch diesmal behielt der Schweizer die Oberhand. Die Wolfsburger fanden auch weiterhin kein Mittel gegen die cleveren Gäste. Die Wolfsburger versuchten Mitte der zweiten Halbzeit den Druck zu erhöhen, der Effekt blieb gering. Im Gegenteil: Einen krassen Fehler von Josuha Guilavogui nutzte der SSC erneut konsequent aus. Nach Gabbiadinis spätem Kopfballtreffer bleiben den Deutschen trotz der Ergebniskosmetik nur noch geringe Chancen auf ein Weiterkommen.

Starke Italiener

In Kiew machte das in der Meisterschaft noch immer ungeschlagene Dynamo zu Beginn der Partie gegen Florenz wenig für die Offensive. Die Italiener waren aggressiver, dominierten das Geschehen und drängten auch auf die Führung. Jewhen Chatscheridi warf sich gerade noch in einen Joaquin-Schuss (13.) und hatte dabei auch etwas Glück, das ein Elfmeterpfiff wegen eines vermeintlichen Handspiels ausblieb.

Am gefährlichsten war aber Mohamed Salah. Der ägyptische Stürmer, Ex-Teamkollege von Dragovic in Basel, stellte die Kiew-Hintermannschaft immer wieder vor Probleme. Nach seiner Vorarbeit schoss Mario Gomez ins Außennetz (17.), ein Abschluss von Salah selbst aus guter Position fiel zu schwach aus (26.). Einem Torerfolg kam zudem Matias Fernandez nahe, dessen Schuss nur hauchdünn am Tor vorbeiging (32.).

Dragovic im Rückspiel gesperrt

Die vergebenen Chancen rächten sich noch vor der Pause. Völlig entgegen des Spielverlaufs landete ein abgefälschter Schuss von Jeremain Lens aus 20 Metern im Kreuzeck (36.). Für den an einer Verkühlung leidenden Dragovic gab es wenige Minuten später schlechte Nachrichten, er sah wegen eines Fouls an Borja Valero neuerlich eine Gelbe Karte im Bewerb und muss daher im Rückspiel von der Tribüne aus die Daumen drücken.

Dragovic und Co. stemmten sich vehement gegen die Angriffsbemühungen der Italiener. Kiew hatte Glück, dass bei einem Kopfball von Borja Valero (77.) die Stange rettete. In der Nachspielzeit wurden die Kicker aus Florenz aber noch belohnt. Der senegalesische "Joker" Khouma Babacar stach, er traf mit dem Rücken zum Tor stehend im Fallen zum 1:1 (92.). Die gastgebende Truppe von Coach Sergej Rebrow hat nun eher die schlechteren Karten im Kampf um den Halbfinaleinzug.

Happy End für Sevilla

Titelverteidiger Sevilla zog gegen St. Petersburg erst in der Schlussphase den Kopf aus der Schlinge. Der russische Tabellenführer ging trotz der Ausfälle der gesperrten Hulk, Danny, Igor Smolnikow und Domenico Criscito durch einen Treffer von Aleksander Rjasanzew (29.) in Führung, Carlos Bacca (73.) und Denis Suarez (88.) sorgten aber dafür, dass die Spanier doch noch ihrer Favoritenrolle gerecht wurden. (APA, sid, red, 17.4.2015)

Europa-League, Viertelfinal-Hinspiele, Donnerstag

Dynamo Kiew - ACF Fiorentina 1:1 (1:0)
Olympiastadion, Tore: Lens (36.) bzw. Babacar (92.)
Aleksandar Dragovic spielte bei Dynamo Kiew durch, sah Gelb und ist damit im Rückspiel in einer Woche in Florenz gesperrt.

VfL Wolfsburg - SSC Napoli 1:4 (0:2)
Volkswagen-Arena, Tore: Bendtner (80.) bzw. Higuain (15.), Hamsik (23., 64.), Gabbiadini (77.)

FC Sevilla - Zenit St. Petersburg 2:1 (0:1)
Estadio Ramon Sanchez Pizjuan, Tore: Bacca (73.), Denis Suarez (87.) bzw. Rjasanzew (29.)

FC Brügge - Dnipro Dnipropetrowsk 0:0
Brügge, Jan-Breydel-Stadion

Rückspiele am 23. April

Halbfinal-Termine: 7. bzw. 14. Mai

Finale am 27. Mai in Warschau

  • Marek Hamsik (re) traf in Wolfsburg im Doppelpack.
    foto: reuters/fabian bimmer

    Marek Hamsik (re) traf in Wolfsburg im Doppelpack.

  • Denis Suarez (li) erlöste den FC Sevilla ziemlich spät.
    foto: reuters/marcelo del pozo

    Denis Suarez (li) erlöste den FC Sevilla ziemlich spät.

  • Aleksandar Dragovic (li) muss im Rückspiel bei der Fiorentina zusehen.
    foto: reuters/valentyn ogirenko

    Aleksandar Dragovic (li) muss im Rückspiel bei der Fiorentina zusehen.

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