Streit um Spielrechte, Reisen und Geld bei Polizeigolfern

17. April 2015, 05:30
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Vorwürfe über angebliche Begünstigungen und Geldflüsse bei den Golfern der Polizeisportvereinigung Wien. Der Staatsanwalt stellte alle Ermittlungen ein, aus der PSV ausgeschlossene Beamte akzeptieren das nicht

Wien - Denkt man an Polizeisportvereine, ist Golf nicht zwingend der erste Sport, der einem einfällt. Doch die Sektion Golf der Polizeisportvereinigung (PSV) Wien ist seit einigen Jahren die bei weitem größte ihrer Art. Weit über tausend Mitglieder zählt die Sektion heute. Davon sollen derzeit nicht einmal hundert Polizisten sein.

Geboomt haben die Mitgliedszahlen auf dem Green erst einige Jahre nach der Gründung der Sektion Golf, die im Jahr 2003 stattgefunden hatte. Der plötzliche Wachstumsschub im Mitgliederverzeichnis kam 2007 und soll einerseits mit dem Einstieg eines Unternehmers als Sponsor in die Sektion zu tun haben, andererseits mit dem Verkauf von günstigen Spielrechten zusammenhängen. Mit dem Geld für Spielrechte und dem Sektionsbeitrag (Mitgliedsbeitrag), der eingehoben wurde, soll man eine stattliche Summe Geld angespart haben. Was kein Problem ist, wenn dieses für gemeinnützige Aktivitäten ausgegeben wird, wie es die Vereinsstatuten vorsehen. Doch genau das bezweifelten einzelne Mitglieder der PSV.

Sorge um integres Bild

Unter ihnen ist einer, der um das "integre Bild der Polizei" besorgt war, wie er in einem Brief an das Bundesamt zur Korruptionsprävention und -bekämpfung schreibt, der dem Standard zugespielt wurde. Nach den Beobachtungen des Mannes verdichtete sich für ihn der Verdacht, "dass einige Personen im Vorstand dieser Sektion sich nicht nur willkürlich über Statuten hinwegsetzen, sondern erhebliche Zuwendungen an Vorstandsmitglieder und Begünstigte stattfinden".

Konkret sollen etwa 25 Personen nicht nur gratis Spielrechte erhalten und gratis an Turnieren teilgenommen haben, sondern auch zu luxuriösen Golfreisen etwa nach Mallorca samt Ehepartnern eingeladen worden sein.

"Ich war selbst einmal mit, ich wollte das vor Ort klären", sagt ein ehemaliges Mitglied des Vereins auf Standard-Nachfrage.

Er habe als Finanzprüfer der Sektion Golf die Pflicht gehabt, das Gebaren der Sektion an die PSV Wien zu berichten, sei aber an Grenzen der Transparenz gestoßen. Er spricht von mehreren hunderttausend Euro Vermögen.

Im Umfeld der Sektion wurden zwei weitere Vereine gegründet: der "Verein für Golfspielrechte", dessen Statuten als Zweck "die Unterstützung und Förderung von Sportvereinen mittels Zurverfügungstellung von Vereinsvermögen oder Sachspenden" festhalten, sowie der "Verein der Golffreunde Österreich". Personell überschneiden sich die Vereine.

Ein weiterer Polizeibeamter, der Kritik übte, wurde aus der PSV ausgeschlossen, wegen vereinsschädigenden Verhaltens.

"Vereinsinterne Streitereien"

Unterschrieben hat den Ausschluss der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl, denn er ist automatisch auch PSV-Präsident.

"Das sind lange bekannte vereinsinterne Streitereien", sagt ein Sprecher Pürstls dem Standard, "alle Vorwürfe sind überprüft worden, von der Finanzpolizei, der Vereinspolizei und der Staatsanwaltschaft. Alles wurde eingestellt."

Zudem gab es schon 2014 Vorerhebungen des Büros für besondere Ermittlungen. Zwei Personen seien ausgeschlossen worden, weil sie bei ihren Beschwerden den Instanzenweg nicht eingehalten hätten, heißt es außerdem seitens der Polizeispitze.

Die beiden Betroffenen wollen bei der Jahreshauptversammlung der PSV nächste Woche gegen den Ausschluss Einspruch erheben. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 17.4.2015)

  • Ruhe und Entspannung, die Spieler auf dem Green schätzen, dürften in der Sektion Golf der PSV Wien derzeit nicht herrschen.
    foto: ap

    Ruhe und Entspannung, die Spieler auf dem Green schätzen, dürften in der Sektion Golf der PSV Wien derzeit nicht herrschen.

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