Die Roten und die Toten im Universum

17. April 2015, 17:59
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Elliptische Riesengalaxien enthalten etwa die Hälfte aller Sterne im Universum - doch allesamt sind diese alt

Zürich - Mit einem Alter von 13,6 Milliarden Jahren hat sich die Milchstraße zwar schon kurz nach dem Urknall zu bilden begonnen, aber noch vergreist sie nicht: Hier entstehen immer noch neue Sterne. Anders verhält es sich bei vergleichbar alten Riesengalaxien, die Schweizer Astronomen für eine in "Science" vorgestellte Studie untersucht haben. Diese Galaxien sind "rot und tot".

Es kommt nichts Neues nach

Elliptische Riesengalaxien sind im Zentrum rund zehnmal so dicht mit Sternen besiedelt wie unsere Milchstraße und haben auch etwa die zehnfache Masse. Rund die Hälfte aller Sterne im Universum befinden sich in solchen Riesengalaxien.

Diese Riesen haben allerdings schon vor Milliarden Jahren aufgehört, neue Sterne zu bilden. Sie bestehen fast ausschließlich aus älteren Sternen - und diese leuchten rötlich.

Der Prozess

Wissenschafter um Sandro Tacchella von der ETH Zürich haben zusammen mit Kollegen von der Europäischen Südsternwarte (ESO) insgesamt 22 Galaxien aus einer Ära etwa drei Milliarden Jahre nach dem Urknall beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass das "Sterben" der Galaxien von innen nach außen abläuft.

Mit dem Very Large Telescope der ESO und dem Hubble-Weltraumteleskop der NASA/ESA konnten die Wissenschafter enthüllen, dass schon drei Milliarden Jahre nach dem Urknall zwar noch Sterne im Außenbereich dieser Galaxien entstanden, aber nicht mehr im Inneren.

Denkbare Erklärungen

Eine Theorie über die gestoppte Sternentstehung in elliptischen Galaxien besagt, dass in ihnen die zur Sternbildung nötige Materie von einem reißenden Energiestrom zerstreut wird. Dieser Energiestrom stammt demnach aus dem supermassereichen Schwarzen Loch im Galaxienzentrum. Eine andere Vermutung legt nahe, dass der Zufluss von frischem Gas in die Galaxie aufhört und die Sterneninsel deshalb regelrecht verhungert - weil ihr der Nachschub für die Entstehung neuer Sterne fehlt.

"Es gibt viele unterschiedliche theoretische Vorschläge für den physikalischen Mechanismus, der zum Tod der massereichen elliptischen Galaxien führte", erklärte Natascha Förster Schreiber vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. "Die Entdeckung, dass die Sternentstehung vom Zentrum ausgehend nach außen verlöscht ist, ist enorm wichtig für das Verständnis dafür, wie es dazu kam, dass das Universum so aussieht, wie es heute der Fall ist." (APA/red, derStandard.at, 17.4. 2015)

  • Schema einer typischen Galaxienentwicklung, von links nach rechts: Mit zunehmenden Alter weicht das Blau junger Sterne immer mehr dem roten Glimmen alter Sterne.
    illustration: eso

    Schema einer typischen Galaxienentwicklung, von links nach rechts: Mit zunehmenden Alter weicht das Blau junger Sterne immer mehr dem roten Glimmen alter Sterne.

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