Dringender Frühjahrsputz im Auto

Kolumne19. April 2015, 17:00
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Klinische Sterilität muss nicht sein, aber ein eigenes Ökosystem im Auto auch nicht

Mein Fußballtrainer hatte seinen alten Kleinbus aus dem Winterschlaf geweckt. Den Frühjahrsputz hatte der Wagen aber offensichtlich noch vor sich - es sei denn, all das Laub, die Spinnweben und diese merkwürdigen braunen Kügelchen waren Bestandteil gewollter Authentizität. In Erinnerung geblieben ist mir dieser Bus jedenfalls (ich war damals etwa zwölf Jahre alt und spielte mein erstes offizielles Fußballspiel) vor allem wegen des mir bis dato fremden, bestialisch beißenden Geruches, der nicht nur meiner Contenance alles abverlangte.

Des Übels Ursprung war seinerzeit nicht direkt ausfindig zu machen, und so fragten wir diskret, was denn das für komische Dinger seien, diese Kügelchen. Erschreckend nüchtern lautete die Antwort: "Das haben die Ratten gemacht, aber die sind eh schon alle weg."

Klinische Sterilität muss ja nicht sein, aber, ganz ehrlich, ein eigenes Ökosystem im Auto - wie beschrieben - auch nicht.

Ein Mittelding

Ein Mittelding wäre die Sorte von Fahrzeugen, bei denen das Einsteigen zwar keine unmittelbare gesundheitliche Schädigung, aber doch ein gewisses Unbehagen auslöst. Wer fühlt sich schon wohl, wenn die Fahrerin alle zwei Minuten irgendein Klumpert in Richtung Rückbank aka Deponie wirft und sich zwischen den Sitzen Besteck hervorholen lässt, ein ganzes Sammelsurium an Skurrilitäten. Andere werfen ihren Müll gar aus dem Fenster.

Jedenfalls wäre der traditionelle, leider aus der Mode kommende Frühjahrsputz ein guter Anstoß, auch seinen fahrbaren vier Wänden einen hygienischen Neustart zu verpassen. Die Mitfahrer werden's danken. (Stephan-Alexander Krenn, DER STANDARD, 17.4.2015)

  • Das Frühjahr - gute Gelegenheit, dem Auto einen hygienischen Neustart zu verpassen.
    foto: reuters/mario anzuoni

    Das Frühjahr - gute Gelegenheit, dem Auto einen hygienischen Neustart zu verpassen.

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