Kaufmann-Bruckbergers Rücktritt: Grenze überschritten

Kommentar16. April 2015, 17:43
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Der Wirbel um den Rücktritt der Landesrätin lenkt davon ab, wo die eigentlichen Verursacher der Misere zu suchen sind

Den Rücktritt der niederösterreichischen Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger als Beispiel politischer Kultur zu preisen wäre wohl übertrieben: keine Rede von freiwilliger Demission. Wenn nicht die niederösterreichische ÖVP mächtig Druck gemacht und Kaufmann-Bruckberger eine Abwahl angedroht hätte, klebte sie wohl noch immer - Schmiergeldvorwurf hin oder her - an ihrem Sessel fest.

Wobei die Frage auch noch zu klären wäre, warum die ÖVP der umstrittenen Landesrätin gar so lange die Mauer gemacht hat, wo doch seit langem offenkundig ist - nicht zuletzt durch ihr Geständnis als Botin von Parteispenden und Empfängerin eines fürstlichen Honorars -, dass sie die Grenze politischen Anstands überschritten hat. Wer hatte da Interesse daran, sie zu halten, und warum?

Diese Gemengelage der niederösterreichischen Landespolitik samt des bizarren und erschütternden Politikverständnisses der ehemaligen FPÖ-, BZÖ-, Team-Stronach- und schließlich Team-Niederösterreich-Politikerin hat jedenfalls Österreichs Stammtische wieder in ihrer Meinung über die Politik bestärkt. Am Ende dürfen sich jetzt die FPÖ- und noch verbliebenen BZÖ-Politiker freuen. Der Wirbel um den Rücktritt der Landesrätin und das Zaudern der ÖVP, aber auch der SPÖ haben wieder davon abgelenkt, wo die eigentlichen Verursacher der Misere - hier im Speziellen der Kärntner Seenkauf-Affäre - zu suchen sind. (Walter Müller, DER STANDARD, 17.4.2015)

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