Im ATX fließt hohe Dividende trotz magerer Gewinne

16. April 2015, 18:01
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Die ATX-Unternehmen haben im Vorjahr weit weniger verdient. Anleger dürfen sich dennoch über eine stabile Dividende freuen, auch wenn diese in einigen Fällen aus der Substanz kommt. Die OMV bleibt mit 408 Millionen Euro Ausschüttungskaiser

Wien - Das vergangene Jahr war für die österreichische Wirtschaft kein leichtes. Ein schwaches wirtschaftliches Umfeld in Europa und Probleme in Osteuropa - allen voran der Russland-Ukraine-Konflikt - haben die Geschäfte belastet. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich real gerade einmal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das hat auch die 20 Leitunternehmen des Austrian Trade Index (ATX) getroffen, die zum Teil sehr hohe Wertberichtigungen bei Tochterunternehmen vornehmen mussten, was zu teilweise hohen Verlusten geführt hat.

Unter dem Strich hat sich der Gewinn aller 20 ATX-Unternehmen im Vorjahr dramatisch um neun Zehntel von 5,1 Milliarden Euro auf knapp 600 Millionen Euro verringert, wie die Arbeiterkammer Wien errechnet hat. Werden die Ergebnisse nach Minderheitenanteilen und Bedienung von Partizipationskapital und Zinsen auf Hybridkapital berechnet und damit lediglich die den Aktionären zurechenbaren Gewinne des Jahres 2014/15 berücksichtigt, ergibt sich gar nur ein Gewinn von 7,9 Millionen Euro (2013: 3,8 Milliarden Euro).

Besonders hohe Verluste weisen Erste Group (minus 1,44 Milliarden Euro) und Raiffeisen Bank International (minus 493 Millionen Euro) sowie die Telekom Austria (minus 211 Millionen Euro) und Wienerberger (minus 202 Millionen Euro) aus. Mehr als ein Drittel der Unternehmen ist in die Verlustzone gerutscht, ein weiteres Viertel musste deutliche Gewinnrückgänge in einer Bandbreite von minus 6,5 Prozent bis 78,2 Prozent hinnehmen.

Dividende steigt

Anleger können dennoch aufatmen, denn auf die Dividendenpolitik der Unternehmen wirken sich diese schlechten Zahlen nicht aus. 60 Prozent der ATX-Unternehmen erhöht ihre Ausschüttung sogar, zeigt der Dividenden-Report der AK Wien, der dem STANDARD exklusiv vorliegt. Aufgrund der Gewinneinbußen erreichen die Ausschüttungsquoten - das Verhältnis zwischen Dividenden und zurechenbaren Gewinnen - mit durchschnittlich 82,8 Prozent sogar ein absolutes Rekordmaß, hält die AK fest.

Zusätzlich können sich die Aktionäre bei einem Fünftel der ATX Unternehmen trotz eines erwirtschafteten Verlusts über die Ausschüttung von Dividenden freuen. Diese Unternehmen schütten ihre Dividenden unter Substanzverlust aus.

In absoluten Zahlen ausgedrückt, liegt das Ausschüttungsvolumen 2015 trotz der schwachen Ertragslage bei 1,6 Milliarden Euro - das ist um rund 20 Prozent weniger als im Jahr davor, bleibt laut AK in Relation aber auf einem hohen Niveau. Ausschlaggebend für den nominellen Rückgang des Volumens sind vor allem die beiden Kreditinstitute sowie der deutliche Gewinnrückgang beim Verbund.

Auf die Branchen umgelegt, ergibt sich folgendes Bild:

  • Industrie Die sieben im ATX notierten Industriekonzerne konnten ihre Gewinne in Summe leicht erhöhen. Allerdings ist neben Wienerberger nun auch Lenzing ins Minus gerutscht. Für die Dividende hat dies keine Auswirkung - denn alle sieben Konzerne zahlen ihren Aktionären Dividenden von in Summe 400 Millionen Euro. Bezogen auf den erwirtschafteten Gewinn ergibt das eine Ausschüttungsquote von rund 61 Prozent.

  • Finanzinstitute In diesem Segment haben die beiden Banken RBI und Erste einen Verlust von in Summe knapp zwei Milliarden Euro eingefahren und zahlen keine Dividende. Besser erging es den Versicherungskonzernen VIG und Uniqa: Beide konnten ihr Vorjahresergebnis verbessern, der den Aktionären zurechenbare Gewinn stieg damit in Summe auf rund 657 Millionen Euro. Die Aktionäre bekommen in diesem Segment eine Rekorddividende in der Höhe von 309 Millionen Euro.

  • Infrastruktur Im Segment Infrastruktur/Daseinsvorsorge konnten mit Ausnahme der Telekom Austria die im ATX notierten Konzerne Flughafen Wien und Post im abgelaufenen Wirtschaftsjahr ihr Ergebnisse ebenfalls steigern und heben in der Folge ihre Dividenden nochmals kräftig an. Auch die Telekom lässt trotz Verlust ihre Aktionäre nicht im Stich und zahlt eine moderate Dividende aus. In Summe schütten diese drei Betriebe 200 Millionen Euro aus.

OMV führt Ranking an

Die betragsmäßig höchste Dividende gibt es von den Unternehmen der Energie- beziehungsweise Mineralölwirtschaft, OMV und Verbund. Mit 408 Millionen Euro führt die OMV nach wie vor die Dividendenzahlungen an - und das, obwohl der Gewinn des Mineralölkonzerns 2014 um 65 Prozent auf 613 Millionen Euro gesunken ist. Auch der Verbund bringt trotz einer deutlichen Gewinnreduktion noch immer 101 Millionen Euro an Dividende auf die Waage. An beiden Unternehmen hält die Republik via ÖBIB (ehemals ÖIAG) veritable Anteile. An der OMV sind es 31,5 Prozent, am Verbund 51 Prozent.

Die AK sieht in dieser Ausschüttungspolitik jedenfalls keinen Vorteil: "Damit wird den Unternehmen wichtiges Kapital für Investitionen, Forschung, Entwicklung und Ausbildung der Beschäftigten entzogen", sagt AK-Experte Markus Oberrauter. Es stehe immer noch das kurzfristig orientierte Renditedenken im Vordergrund und nicht die Sicherung des Wirtschaftsstandorts. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 17.4.2015)

  • Nach der Präsentation der Ergebnisse läuft die Dividendensaison an. Diese Belohnung bleibt für ATX-Aktionäre heuer stabil, obwohl die Unternehmen in Summe weniger verdient haben.
    foto: dpa/andreas arnold, montage: heidi seywald

    Nach der Präsentation der Ergebnisse läuft die Dividendensaison an. Diese Belohnung bleibt für ATX-Aktionäre heuer stabil, obwohl die Unternehmen in Summe weniger verdient haben.

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