Experte kritisiert: Keine Evaluierung bei Kinderpsychiatrie

17. April 2015, 11:36
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Debatte über Ausbau von Behandlungsplätzen

Wien - Kostenlose Behandlungsplätze für Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen sind gefragt. Georg Spiel, Geschäftsführer und ärztlicher Leiter von Pro Mente - Kinder, Jugend, Familie, hat in Kärnten untersucht, wie die knappen Ressourcen beschaffen sein sollten. Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie vermisst in der Debatte um deren Ausbau ein Bekenntnis zu "Outcome-orientierten Evaluationen", wie er dem STANDARD sagt.

In Wien werden derzeit sechs kinderpsychiatrische Kassenordinationen eingerichtet, es gibt drei kinderpsychiatrische Ambulanzen. Eine Evaluierung finde nicht statt, heißt es von der Wiener Gebietskrankenkasse. Da die niedergelassenen Ärzte gerade erst ihre Arbeit aufnähmen, sei das gar nicht möglich.

Selbstevaluation

Vor allem im medizinischen Bereich sieht Spiel, der über entwicklungsneurologische Fragestellungen sowie Evaluation und Versorgungsforschung forscht, dass zu sehr auf die Qualifikationen von Personen und die Einhaltung von Prozessstandards geachtet werde. "Wir sehen uns hingegen primär das Outcome an", sagt er. Pro Mente Kijufa, das in Kärnten zwei interdisziplinäre Mini-Ambulatorien betreibt, evaluiert sich seit 2009 über eine separate eigene Stabsstelle selbst.

Vernetzung mit anderen Versorgungsangeboten

Zu Beginn und Ende der Betreuung sowie sechs Monate danach wird untersucht, wie es den Patienten geht. Nicht nur sie, auch Angehörige und Mitarbeiter werden befragt. Das Fazit veröffentlichte Spiel 2013 zusammen mit weiteren Autoren. Die Interventionen der Mini-Ambulatorien seien wirksam, es bestehe eine geringe Drop-out-Rate. Zudem habe sich gezeigt, wie wichtig eine gute Vernetzung mit anderen Versorgungsangeboten sei. Allerdings gab es lange Wartezeiten auf die Eingangsdiagnostik und die Betreuung. Hier brauche es Überbrückungsangebote. Das könnten Beratungsangebote sein sowie Gruppenangebote unter Einbindung der Eltern, so die Autoren.

Von der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit hieß es zuletzt einmal mehr, dass es in Österreich an Daten über Kindergesundheit und Versorgungsangebote mangle. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 17.4.2015)

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