Goldman Sachs verdient so gut wie lange nicht

16. April 2015, 17:05
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Mit einem Plus von mehr als 40 Prozent zieht die US-Bank seinen Rivalen JP Morgan, Bank of America und Citibank davon

New York - Bei Goldman Sachs läuft das Geschäft so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das Auf und Ab an den Anleihe- und Devisenmärkten zu Jahresbeginn bescherte der US-Investmentbank einen von Analysten nicht annähernd erwarteten Gewinnsprung. Der Überschuss lag mit 2,75 Mrd. Dollar (2,6 Mrd Euro) um 41 Prozent über dem Vorjahreswert, wie Goldman Sachs mitteilte. Mehr hatte die Bank zuletzt Anfang 2010 verdient.

Die Citigroup, die am Donnerstag ebenfalls ihr erstes Quartal bilanzierte, profitierte dagegen vor allem von Kostensenkungen und übertraf ebenfalls die Erwartungen der Experten.

Vor allem die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken in der Schweiz und den USA sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) ließen den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren im ersten Quartal florieren. Investoren reagierten hektisch auf die Beschlüsse etwa zur Abkoppelung des Schweizer Franken vom Euro. Das kam Goldman Sachs stärker zugute als der Konkurrenz in den USA. Vorstandschef Lloyd Blankfein setzt darauf, dass die Wall-Street-Bank für Rivalen in die Bresche springt, die sich wegen der zuvor langen Durststrecke oder der strengeren Regulierung aus dem Anleihe- und Devisenhandel zurückgezogen haben.

Goldman lässt Rivalen hinter sich

Das zahlte sich nun aus: Der Handel mit festverzinslichen Papieren, Devisen und Rohstoffen legte um zehn Prozent zu und machte im ersten Quartal 30 Prozent der Konzernerlöse aus. Im Aktienhandel stiegen die Einnahmen sogar um 46 Prozent. "Auf Normalniveau zurückgekehrte Märkte und eine stärkere Aktivität der Kunden machen uns Mut, was die Aussicht auf ein anhaltendes Wachstum angeht", sagte Blankfein. Mit 10,6 Mrd. Dollar waren die Einnahmen bei Goldman Sachs so hoch wie zuletzt zwischen Jänner und März 2011 und 14 Prozent höher als vor einem Jahr.

Mit den Zuwächsen im Handel ließ Goldman den Rivalen JP Morgan (plus fünf Prozent) hinter sich. Die Bank of America Merrill Lynch (minus sieben Prozent) und Citi (minus elf Prozent) verzeichneten sogar rückläufige Handelsumsätze. Auch die Deutsche Bank, deren Quartalszahlen übernächste Woche fällig sind, ist ein Schwergewicht im Anleihehandel.

Beratung ist gutes Geschäft

Aber auch in der Beratung von Übernahmen und Fusionen hat Goldman Sachs gut verdient. Nachdem das Geschäft in den USA - anders als in Europa - wieder auf vollen Touren läuft, lagen die Einnahmen aus dem Investmentbanking mit 1,9 Mrd. Dollar auf dem höchsten Stand seit 2007, dem Beginn der globalen Finanzkrise. 42 Prozent davon gingen an die Investmentbanker selbst - weniger als erwartet, weil Goldman Sachs seit einiger Zeit bei Gehältern und Boni auf die Bremse tritt.

Unterdessen hat die Citigroup die Nachwehen der Finanzkrise allmählich überstanden. Nach einer Schrumpfkur hat die drittgrößte Bank der USA im ersten Quartal so viel verdient wie seit fast acht Jahren nicht mehr. Der Gewinn sprang um 16 Prozent auf 4,82 Mrd. Dollar, obwohl die Erlöse um zwei Prozent auf 19,8 Mrd. Dollar sanken. Doch die Bank musste für Rechtsstreitigkeiten und den Umbau nur noch ein Drittel des Betrags ausgeben wie ein Jahr zuvor. Wie andere Institute musste Citigroup unter anderem für fragwürdige Hypothekengeschäfte und Handelsskandale zahlen.

Citi-Aktien gingen nach oben

Operativ hat die Citigroup ihre Struktur vereinfacht, die Privatkundentöchter etwa in Japan oder der Türkei wurden abgestoßen und auch in den USA schrumpft das Filialnetz. Die Kosten sanken im ersten Quartal allein um zehn Prozent auf 10,9 Mrd. Dollar. Vorstandschef Mike Corbat will dadurch mehr Kapital freisetzen, das an die Anteilseigner ausgeschüttet werden kann. Im März hatte die US-Notenbank als Bankenaufsicht seine Pläne für höhere Dividenden und mehr Aktienrückkäufe gebilligt.

An der Wall Street stießen die Zahlen von Citi auf mehr Wohlwollen. Die Aktie stieg um 1,5 Prozent auf knapp 54 Dollar. Papiere von Goldman Sachs gaben dagegen um 0,8 Prozent nach und fielen unter 200 Dollar. (APA, 16.4.2015)

  • In den ersten drei Monaten des Jahres hat der Finanzriese Goldman Sachs knapp drei Milliarden Dollar verdient.
    foto: reuters/jackson

    In den ersten drei Monaten des Jahres hat der Finanzriese Goldman Sachs knapp drei Milliarden Dollar verdient.

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