"Physikalischer Teufelskreis" beschleunigt Grönlandgletscher-Schmelze

17. April 2015, 18:07
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Dunkler werdende Oberfläche des Grönländischen Eisschildes und wachsende Seen werden zunehmend zum Problem, sagten Geologen in Wien

Wien - Der Klimawandel habe einen "physikalischen Teufelskreis" ausgelöst, durch den der Grönländische Eisschild immer schneller schmilzt, erklärten Wissenschafter am Donnerstag bei der Generalversammlung der "European Geosciences Union" (EGU) in Wien. Dessen Oberfläche werde durch das Schmelzen nämlich dunkler, zugleich würden Seen unter dem Eis wachsen, was den Eisschwund ebenfalls beschleunige.

Abnehmende Rückstrahlung

Der Grönländische Eisschild bedeckt etwa 1,8 Millionen Quadratkilometer, das sind ungefähr vier Fünftel der Fläche Grönlands. Messungen hätten ergeben, dass der Eisschild seit 1996 immer dunkler wird und weniger Sonnenlicht zurückstrahlt, so Marco Tedesco vom City College of New York (USA).

"Neuer Schnee ist sehr hell - wenn er schmilzt, werden seine Körner aber zunächst immer größer, und damit dunkler", so Tedesco. Das Rückstrahlvermögen würde dabei vor allem in Wellenlängen-Bereichen abnehmen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Außerdem würden durch die Schneeschmelze immer mehr der darunter liegenden Eisflächen zum Vorschein kommen. Diese seien dunkler als Schnee, was das Schmelzen des Eisschildes ebenfalls beschleunige.

Verunreinigungen und Wasserrutschen

Als dritten Grund nannte er, dass sich Verunreinigungen an der Oberfläche aufhäuften. "Sie waren in dem mittlerweile geschmolzenen Schnee eingeschlossen und sammeln sich an der Oberfläche an, weil sie nicht mit dem Wasser weggespült werden", so Tedesco. Es kämen quasi alle Partikeln zum Vorschein, die zuvor im tiefen Schnee verborgen waren. "Auch dies geschieht immer schneller, weil der Schnee immer schneller schmilzt", erklärte er. Es gebe hingegen keine Anzeichen dafür, dass vermehrt Partikeln aus der Atmosphäre, wie etwa von Waldbränden, am Eisschild abgelagert werden, so der Forscher.

Das Schmelzen des Grönlandeisschilds durch den Klimawandel führe auch dazu, dass die Seen unter dem Eis wachsen, so Andrew Shepherd von der Universität Leeds (Großbritannien). Entgegen bisheriger Annahmen geschehe dies sogar im kalten Nordosten der Insel. Auch dadurch würde der Eisverlust beschleunigt, weil die Eisplatten schneller darauf ins Meer gleiten können, so der Wissenschafter. (APA, 17.4.2015)

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