Schnelltest spürt Infektionen in Gelenken auf

16. April 2015, 15:45
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Ein neuer Infektions-Schnelltest soll Orthopäden helfen, Gelenksinfektionen rasch erkennen zu können. In Wien-Speising kam der Test nun europaweit das erste Mal zum Einsatz

Wien - Schmerzen im Knie oder Hüftgelenk sind oft Folgen von Abnützungserscheinungen, manchmal aber auch von Entzündungen. Sollte es sich tatsächlich um eine Entzündung handeln, muss der Orthopäde rasch erkennen können, ob eine akute eitrige Infektion vorliegt oder nur ein unbedenklicher Reiz beziehungsweise rheumatische Zustände für die Schmerzen verantwortlich sind. - Denn daran orientiert sich der weitere Behandlungsweg.

Für die Abklärung kann nun ein neuer Infektions-Schnelltest helfen, "der so einfach wie ein Schwangerschaftstest funktioniert", sagt Martin Dominkus, Knie- und Hüft-Endoprothetik-Experte an der orthopädischen Spezialklinik Wien-Speising. "Nur wenige Tropfen der Gelenksflüssigkeit, die mit einer Trägersubstanz gemischt wird, genügen für die Analyse", ergänzt der Mediziner.

Ein handliches Testgerät zeigt innerhalb von nur zehn Minuten an, ob bei dem Patienten eine Infektion vorliegt. Damit kann dieser Check unkompliziert auch im ambulanten Bereich durchgeführt werden und so über die Notwendigkeit einer stationären Behandlung des Patienten entscheiden.

Im besten Fall maßgeschneiderte Therapiewahl

"Derzeit überprüfen wir die Zuverlässigkeit, indem wir parallel auch andere Verfahren zur Infektionsbestimmung anwenden. Der neue Schnelltest scheint jedoch vielversprechend", meint Dominkus.

Bisher mussten Ärzte auf das Ergebnis von Bakterienkulturen oft mehrere Tage warten. Zudem mussten Gewebsproben, die bei Operationen entnommen wurden, eigens von Pathologen auf eine Infektion hin analysiert werden. Das wird zwar weiterhin praktiziert, ist jedoch häufig komplizierter und zeitintensiver, und lässt sich nicht ambulant durchführen.

Das Orthopädische Spital Speising ist die erste klinische Einrichtung in Europa, die diesen Infektionstest anwendet. Damit hofft man, in Zukunft die Patienten durch eine maßgeschneiderte Therapiewahl noch besser behandeln zu können. (APA/red, derStandard.at, 16.4.2015)

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