Ünal E.: "Festnahme kam für mich absolut überraschend"

16. April 2015, 15:41
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Der in Italien inhaftierte und nun wieder freigelassene Österreicher ist "unglaublich erleichtert", wieder zu Hause zu sein, sagt er im Gespräch mit dem STANDARD. Sein Verfahren ist noch nicht abgeschlossen

Innsbruck – Der vergangene Woche in Venedig festgenommene österreichische Staatsbürger Ünal E. ist wieder in Tirol angekommen. Er war Mittwochabend noch vor seiner Haftprüfung aus der Untersuchungshaft entlassen worden – wegen "politischer Kontakte auf höchster Ebene zwischen Rom und Wien", wie sein Anwalt sagt.

"Die Festnahme kam für mich absolut überraschend", sagt Ünal E. im Gespräch mit dem STANDARD. Im Urlaub mit seiner Familie seien am späten Abend italienische Polizisten vor dem Hotelzimmer gestanden und hätten ihn abgeführt. "Ich bin seit 15 Jahren in Österreich und habe in dieser Zeit schon in mehreren europäischen Ländern problemlos Urlaub gemacht."

Fürchtet um Nachteile im Beruf

E. floh aufgrund politischer Verfolgung aus der Türkei und ist seit 2005 österreichischer Staatsbürger. In seiner Heimat wird ihm vorgeworfen, an zwei Anschlägen in den 90er-Jahren beteiligt gewesen zu sein sowie demonstriert und Plakate aufgehängt zu haben.

Wegen der internationalen Berichterstattung fürchtet der Arzt nun um Nachteile in seinem Beruf. "Ich habe die Sorge, dass Patienten deshalb verunsichert sein könnten", sagt er. In türkischen Medien wurden sein voller Name und Fotos von ihm veröffentlicht. Derzeit sei er unbezahlt freigestellt.

Will sich Prozess stellen

Allem voran sei er nun aber "unglaublich erleichtert", wieder zu Hause bei seiner Familie zu sein. Es gehe ihm gut, er sei jedoch noch etwas mitgenommen von den Strapazen. Zwei Tage lang befand sich E. in dem italienischen Gefängnis im Hungerstreik.

Das Auslieferungsverfahren gegen ihn ist noch nicht abgeschlossen. Ein Gericht in Venedig wird im Mai anhand von Dokumenten der türkischen Justizbehörden entscheiden, ob E. ausgeliefert werden soll oder nicht. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor, der in Italien anerkannt wurde, nicht aber in Österreich oder auch Deutschland. Dem Prozess will er sich stellen, erklärte sein Anwalt. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, Langfassung, 17.4.2015)

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