Cannes: Keine Selfies, aber viele große Namen

16. April 2015, 16:53
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Neues von Matteo Garrone, Todd Haynes, Gus Van Sant, Hou Hsiao-hsien und Jia Zhang-ke

Wien/Paris - Selfies am roten Teppich, über den auch gewöhnliches Volk läuft, sind in Cannes ab sofort ein No-go, sagte Festivaldirektor Thierry Fremaux bei der Pressekonferenz am Donnerstag.

Viel Prominenz zum Ablichten versprechen die ersten 17 Filme im Wettbewerb des Festivals (13.–24. 5.) dennoch. Gleich drei italienische Filme sind darunter, ein superbes asiatisches Feld und vier Beiträge aus Frankreich. Bheepan von Jacques Audiard etwa, der von einem tamilischen Migranten erzählt, oder Valérie Donzellis Marguerite and Julien, nach einem für François Truffaut geschriebenen Skripts von 1971.

Aus Italien kommen Matteo Garrones Il racconto dei racconti, eine Märchenadaption des magischen Realisten, und Nanni Morettis Mia madre mit Margherita Buy; Paolo Sorrentino (La grande bellezza) hat La giovinezza mit Michael Caine, Rachel Weisz und Paul Dano realisiert. Aus dem nationalen Kino heraus bewegt sich auch der Grieche Yorgos Lanthimos (Dogtooth) mit The Lobster, einer dystopischen Zukunftsvision, in der Singles unter enormen Zeitdruck gesetzt werden.

Neuer Martial-Arts-Film

Der große taiwanesische Filmemacher Hou Hsiao-hsien kehrt mit dem lang erwarteten Wuxia-Film The Assassin an die Croisette zurück, der von einer Attentäterin aus dem siebten Jahrhundert handelt. Überraschend scheint auch schon Mountains May Depart von Jia Zhang-ke im Programm auf, von dem es vor Kurzem noch hieß, er wäre noch nicht abgedreht.

Aus den USA findet sich Gus van Sants The Sea of Trees in Konkurrenz, der mit Matthew McConaughey, Naomi Watts und Ken Watanabe nicht nur spannend besetzt ist, sondern auch eine Rückkehr zur experimentelleren Form verspricht. Außerdem: Todd Haynes’ Carol, der von der Liebe zweier Frauen (Rooney Mara, Cate Blanchett) in der Eisenhower-Ära erzählt, sowie Denis Villeneuves Drogenthriller Sicario.

Außer Konkurrenz wird Woody Allens Irrational Man (u.a. mit Joaquin Phoenix) präsentiert. Der neue Pixar-Film, Inside Out, wird das Festival beschließen. Bereits am Mittwoch wurde der Eröffnungsfilm der "Quinzaine des réalisateurs" bekanntgeben: Philippe Garrels L‘ombre des femmes. Österreichische Filme sind bis jetzt keine vertreten. Den Juryvorsitz übernehmen die US-Brüder Joel und Ethan Coen. Zwei bis drei Wettbewerbsfilme würden noch folgen, so Fremaux. (DER STANDARD, 17.4.2015, Dominik Kamalzadeh)

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Die Filme im Wettbewerb

  • "Dheepan" von Jacques Audiard (Frankreich)
  • "La loi du marche" (A simple man) von Stephane Brize (Frankreich)
  • "Marguerite et Julien" von Valerie Donzelli (Frankreich)
  • "Il racconto dei racconti" (The tale of tales) von Matteo Garrone (Italien)
  • "Carol" von Todd Haynes (USA)
  • "Nie yinniang" (The Assassin) von Hou Hsiao Hsien (Taiwan)
  • "Shan he gu ren" (Mountains may depart) von Jia Zhang-Ke (China)
  • "Umimachi Diary" (Our little sister) von Kore-eda Hirokazu (Japan)
  • "Macbeth" von Justin Kurzel (Großbritannien)
  • "The Lobster" von Yorgos Lanthimos (Griechenland)
  • "Mon roi" von Maiwenn (Frankreich)
  • "Mia madre" von Nanni Moretti (Italien)
  • "Saul fia" (Son of Saul) von Laszlo Nemes (Ungarn)
  • "Youth" von Paolo Sorrentino (Italien)
  • "Louder than bombs" von Joachim Trier (Norwegen)
  • "The sea of trees" von Gus van Sant (USA)
  • "Sicario" von Denis Villeneuve (USA)

Außer Konkurrenz:

  • "La tete haute" (Standing tall) von Emmanuelle Bercot (Frankreich)
  • US-Filmemacher Todd Haynes kommt mit "Carol" nach Cannes.
    foto: apa

    US-Filmemacher Todd Haynes kommt mit "Carol" nach Cannes.

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