Mauerfall-Notizzettel: Schabowskis Ehefrau spricht von kaltblütigem Diebstahl

17. April 2015, 12:53
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Mit der Pressekonferenz am Abend des 9. November 1989 hatte der SED-Politiker ungeplant den Fall der Berliner Mauer eingeläutet

Bonn - Nach dem überraschend aufgetauchten historischen Notizzettel von Ex-SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski hat sich dessen Ehefrau fassungslos gezeigt. "Das ist der kaltblütige Verkauf einer gestohlenen Sache", sagte Irina Schabowski der Deutschen Presse-Agentur. Die Stiftung Haus der Geschichte in Bonn hatte das Blatt für 25.000 Euro nach eigener Darstellung von Bekannten Schabowskis gekauft.

Der zum Dokument der Zeitgeschichte gewordene Zettel enthält Schabowskis Notizen zu der Pressekonferenz in Ost-Berlin am 9. November 1989, die den Berliner Mauerfall auslöste und letztlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.

foto: apa/dpa
Schabowski bei der historischen Pressekonferenz am 09.11.1989.

Dabei handelte es sich um die am selben Tag beschlossene Regelung, wonach DDR-Bürgern künftig Reisen in den Westen erlaubt sein sollten. Allerdings hatte es sich die SED-Führung vorgestellt, dass diese Reisen nur unter bestimmten Auflagen und auch erst vom nächsten Tag an beantragbar sein sollten - Schabowski war das jedoch entgangen. Auf die Frage eines Journalisten, ab wann die neue Regelung denn gelte, stammelte Schabowski vor laufenden Kameras: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort ... unverzüglich". Die Nachricht machte rasend schnell die Runde, noch in der Nacht strömten die Massen über die innerdeutsche Grenze - die Berliner Mauer war de facto gefallen.

foto: apa/dpa/oliver berg
Notizzettel mit dem letzten Unterpunkt: "Verlesen Text Reiseregelung".

Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, sagte: "Dies ist eines der wenigen Dokumente der jüngeren Zeitgeschichte, von dem man sagen kann, dass es die Weltgeschichte beeinflusst hat."

Irina Schabowski findet dafür etwas andere Worte: "Das ist eine Krimigeschichte mit dem Zettel.". Die Familie habe Anfang der 1990er Jahre ein paar Dokumente, darunter den Zettel, auf Drängen an Bekannte gegeben, die sich das näher ansehen wollten. Sie hätten trotz wiederholter Bitten aber nichts zurückbekommen. "Wir haben nichts verschenkt." (APA/red, 16.4.2015)

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