EU-Verfahren gegen Google: Europa läuft nur hinterher

Kommentar15. April 2015, 18:09
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Unfaire Praktiken müssen verfolgt werden

Heute schon gegoogelt? Hätte man diese Frage vor gut zehn Jahren gestellt, hätten viele Angesprochene etwas verwundert reagiert. Inzwischen ist "Googeln" als Sammelbegriff für Suche im Internet bei den meisten so in Fleisch und Blut übergegangen, dass viele es verwenden, selbst wenn sie nicht die gleichnamige Suchmaschine bedienen. So wie Microsoft die PC-Welt in den 1990er-Jahren aufmischte, tat Google dies ab der Firmengründung 1998. Heute wickelt es 90 Prozent des "Suchgeschäfts" ab.

Das erlaubt es dem US-Konzern, seine Dominanz auf Geschäftsfelder auszubreiten, mit denen er ursprünglich nichts zu tun hatte. So wie Apple vor auch gar nicht so langer Zeit den Telefongerätemarkt mit dem Smartphone sprengte. Diese Rasanz bei der Verschmelzung der Bereiche Forschung, Technologie, Medien, Internet und Unternehmertum ist atemberaubend. Die EU tut sich schwer.

Wenn die Kommission - nach fünf Jahren zaghafter Regulierungsversuche - das Wettbewerbsverfahren gegen Google durchstartet, ist das begrüßenswert. Unfaire Praktiken müssen verfolgt werden. Es dokumentiert aber auch, wie schwach die Europäer im Digitalbereich sind. Sie laufen den USA immer nur hinterher, sind am Ende - wie im Fall Microsoft - auf gütliche Deals angewiesen. So könnte es auch bei Google laufen. Der Konzern wird bei der einen oder anderen Einschränkung einlenken, wissend, dass das Geschäft in fünf Jahren wieder ganz anders sein wird. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 16.4.2015)

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