Nach dem Zweiten Weltkrieg: Als Linz eine geteilte Stadt war

15. April 2015, 18:00
posten

Linzer Museum Nordico erinnert an ein besonderes Kapitel der Stadtgeschichte

Linz - Vielen ist es gar nicht bewusst, aber nicht nur Wien, sondern auch Linz war nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Jahre lang eine geteilte Stadt. Eine Ausstellung im Linzer Museum Nordico erinnert an diese Zeit - ein Beitrag der Landeshauptstadt zum oberösterreichischen Großprojekt aus Anlass 70 Jahre Kriegsende und 60 Jahre Staatsvertrag. Direktorin Andrea Bina stellte zusammen mit den Kuratoren Klaudia Kreslehner und Georg Thiel die Ausstellung am Mittwoch den Medien vor.

Die Teilung

Der Rundgang beginnt mit der Erinnerung daran, dass Linz in den späten Vormittagsstunden des 5. Mai 1945 von amerikanischen Truppen eingenommen wurde. Sie fanden eine nach 22 Fliegerangriffen und zuletzt Artilleriebeschuss stark zerstörte Stadt vor. Wohnraum und Infrastruktur war vielfach vernichtet, zwischen den Ruinen drängten sich doppelt so viele Bewohner wie 1938: Ortsansässige, Flüchtlinge, Zwangsarbeiter und ehemalige KZ-Häftlinge.

Im Sommer besetzten die Truppen der Roten Armee das Mühlviertel und sperrten die Donaubrücken. Linz wurde damit zur geteilten Stadt: Im Norden der Donau die Russen, im Süden die Amerikaner. Das hielt bis 1953 an, zwischen den Sektoren gab es langwierige Kontrollen. Landeshauptmann Heinrich Gleißner schilderte damals: "Wir haben die längste Brücke der Welt. Sie beginnt in Washington und endet in Sibirien."

Die Nachkriegsjahre

Die Ausstellung führt die unzureichende Versorgungslage vor Augen, die durch CARE-Pakete gemildert werden sollte. Sie zeigt den Gebrauch von Zigaretten als Zahlungsmittel, erinnert an damals Neues wie Coca Cola und Kaugummi und die Eröffnung des ersten Selbstbedienungsladens Österreichs am 27. Mai 1950 in der Wienerstraße. Diese hieß noch Jahrzehnte nach dem Krieg "Wiener Reichsstraße".

Dazu bestand die starke Sehnsucht nach Ablenkung: Kino, Theater erlebten eine Blütezeit, die Neue Galerie wurde gegründet, das Sportstadion auf der Gugl gebaut. Zugleich begann der wirtschaftliche Aufschwung: 1947 wurde in der Voest der erste Hochofen nach dem Krieg angeblasen, zwei Jahre später revolutionierte das LD-Verfahren die weltweite Stahlproduktion.

Das oberösterreichische Großprojekt zum Gedenkjahr wird angeführt von der bereits eröffneten Hauptausstellung "Befreit und besetzt. Oberösterreich 1945-1955" im Linzer Schlossmuseum. Dazu kommen die Ausstellungen "Bildende Kunst in Oberösterreich 1945-1955" in der Landesgalerie - sie wird am Donnerstag eröffnet -, "B-Gendarmerie" als Schritt zur vollständigen Souveränität Österreichs im Schloss Ebelsberg in Linz und "Zivilverwaltung Mühlviertel" im Schlossmuseum Freistadt. (APA/red, derStandard.at, 15.4. 2015)


Link
Nordico

Share if you care.