Serie "Hatufim" auf Arte: Das Bild vom "netten Hamas-Kämpfer"

16. April 2015, 10:56
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Terror und Folter als Themen im Unterhaltungsprogramm: Was mit der israelischen Serie "Hatufim" begann, ist mittlerweile gern adaptiertes Erfolgs- und Spannungskonzept – nicht nur in "Homeland"

Wien - 17 Jahre waren die israelischen Soldaten Nimrod Klein (Yoram Toledano) und Uri Zach (Ishai Golan) Gefangene der Hisbollah. Sie wurden gepeinigt, gequält und gefoltert. Durch einen Deal kamen sie wieder frei. Doch die Vergangenheit hat Spuren hinterlassen, mit denen die Heimkehrer und ihre Familien schwer zu kämpfen haben. Und dann gibt es noch Amiel, den alle tot glauben, der aber doch lebt und obendrein übergelaufen zu sein scheint. Zum Islam? Oder auch zum Terror?

Die Frage fesselt nicht nur das Publikum der israelischen Fernsehserie "Hatufim", sondern auch andernorts ein Millionenpublikum. Die Frage, ob der US-Soldat Nicolas Brody in seiner Gefangenschaft gefährlicher Terrorist oder heldenhafter US-Bürger wurde, brachte die CIA-Agentin Carrie Mathieson mehrfach an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

Beste Reichweite

Die Serie "Homeland" entstand nach dem Vorbild von "Hatufim" und gehörte für zumindest zwei Staffeln zum Spannendsten, was die US-Serienwelt jemals gesehen hat. "Hatufim" erzielte die besten Reichweiten aller Zeiten für eine Fernsehserie in Israel.

Während "Homeland" weitgehend auf präzise gesponnene Spannung setzt, öffnet sich "Hatufim" stärker den Beziehungen, die sich im Erleben von Extremsituationen verbergen. "Hatufim"-Erfinder Gideon Raff ging es in der israelischen Version darum, das Tabu der Kriegsgefangenen zu behandeln. Raff war auch an der Entstehung von "Homeland" beteiligt.

Die US-Kopie ist weiter als das israelische Original: Showtime gab vor kurzem die fünfte Staffel in Auftrag. Eine dritte Saison von "Hatufim" ist im Werden.

Marktmechanismen mögen damit zu tun haben, dass das längst auserzählte "Homeland" der Serientod nicht ereilen mag und dass der Krieg im Fiktionalen mehr Beachtung findet und mit dem "Hatufim"-Erfinder Raff auch seinen zentralen Schöpfer gefunden hat: Seit 5. März klären Peter Connelly and Anne Heche in "Dig" im US-Fernsehen als FBI-Agenten den Mord an einem Amerikaner in Jerusalem. Das Drehbuch schrieb der 41-Jährige gemeinsam mit Tim Kring ("Heroes"). Ebenfalls fürs US-TV schrieb Raff "Tyrant" über den ins Exil geflüchteten Sohn eines arabischen Diktators, der in seine Heimat zurückkehrt.

In Israel ist das Publikum dar über hinaus von "Fouda" (Chaos) fasziniert: Israelische Undercover-Agenten stoßen beim Einsatz im Westjordanland auf palästinensische Hamas-Soldaten.

Nicht nur als Terroristen

Diese werden nicht nur als Terroristen, sondern auch als Menschen mit Familien gezeigt. Es seien "nette Hamas-Kämpfer", sagt der Journalist und Serienerfinder Avi Issacharoff - kein alltägliches Bild in israelischen Wohnzimmern. Die zweite Staffel von "Hatufim" startet am Donnerstag um 22.15 Uhr auf Arte. (Doris Priesching, DER STANDARD, 16.4.2015)

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Alle Folgen der ersten Staffel

  • Amiel (Assi Cohen) konvertiert zum Islam und nimmt den Namen Yussuf an.
    foto: arte france/ronen akerman

    Amiel (Assi Cohen) konvertiert zum Islam und nimmt den Namen Yussuf an.

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