Jürgen Klopp wirft das Handtuch

15. April 2015, 17:19
689 Postings

Im Sommer endet in Dortmund die siebenjährige Ära von Jürgen Klopp. Der Erfolgstrainer will die Borussen nicht durch Entwicklungen der Vergangenheit blockiert sehen. Tuchel wird als Nachfolger gehandelt

Dortmund - Die erste Einschätzung der Lage kam vom Aktienmarkt. Unmittelbar nachdem ruchbar geworden war, dass Jürgen Klopp (47) Borussia Dortmund im Sommer den Rücken kehrt, gab das Papier des seit 2000 an der Börse notierenden Bundesligisten um 15 Cent auf 3,42 Euro nach. Die Erstanleger, die seinerzeit elf Euro zahlten, sind Kummer gewohnt, auch wenn die Aktie schon bei weniger als einem Euro stand, also zu einem sogenannten Pennystock verkommen war.

Der folgende Aufschwung auf bis zu fünf Euro war untrennbar mit dem Namen Klopp verbunden, der im Sommer 2008 aus Mainz gekommen war und die Borussen 2011 zur Meisterschaft, 2012 gar zum ersten Vereinsdouble und 2013 ins Finale der Champions League führte.

Turbulenzen

Schön, aber vorbei das alles, und emotional ein Lercherl gegen die vergangene Herbstsaison, in der Vizemeister Dortmund infolge des Abgangs von Robert Lewandowski, von Fehlgriffen auf dem Transfermarkt und großem Verletzungspech bis auf den letzten Tabellenplatz abrutschte. Zwar ist die Abstiegsgefahr inzwischen gebannt, Klopp hat aber genug und beantwortet mit seinem zuerst von der Bild-Zeitung verkündeten Entschluss zu gehen so manche Trainerfrage. So war bis Mittwochvormittag nicht ganz einsichtig, warum sich Klopps Nachfolger bei Mainz, der derzeit freie Thomas Tuchel, weder mit RasenBall Leipzig, noch mit dem Hamburger SV auf ein Engagement einigen wollte.

Die vom ersten Abstieg ihrer Vereinsgeschichte schwerst bedrohten Hamburger begnügen sich nun mit der zweiten Wahl namens Bruno Labbadia. In Leipzig erwägt Sportdirektor Ralf Rangnick gar, sich selbst auf die Bank zu setzen. In Dortmund ist aber Tuchel ante portas, die heißeste deutsche Traineraktie.

Keine Pause und kein Sabbat-Jahr geplant

Der 41-Jährige hat hinter sich, was seinem schwäbischer Landsmann Klopp gar nicht vorschwebt: "Ich bin nicht müde, es ist auch kein Sabbat-Jahr geplant", sagte der Stuttgarter auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Er lässt einen hochdotierten, eigentlich noch bis Sommer 2018 laufenden Vertrag mit Dortmund sausen, weil es darum gehe, "dass dieser Verein die Möglichkeit bekommt, das großartige Potenzial zu nutzen, ohne durch Entwicklungen in der Vergangenheit blockiert zu werden".

Eine Klausel wie bei Tuchel, der bis zum Sommer nur gegen eine Ablöse für Mainz bei einem anderen Klub anheuern darf, gibt es nicht. "Wir haben auf Initiative von Jürgen Gespräche geführt und dann beschlossen, dass der gemeinsame Weg nach sieben Jahren beendet ist", sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. "Wir haben in den letzten Jahren einige Male darunter gelitten, dass wir erst spät Planungssicherheit hatten, deswegen habe ich mich entschieden, es jetzt bekanntzugeben", sagte Klopp noch. Mit der aktuellen sportlichen Situation habe sein Entschluss nichts zu tun.

Dortmund kann wohl nur noch als Sieger des DFB-Pokals das Saisonmindestziel, einen Platz in einem europäischen Bewerb, realisieren. Allerdings baut sich im Halbfinale auswärts die Hürde FC Bayern auf.

Lastwagenfahrt

Die Münchner drohen zu verhindern, dass Klopp seinen letzten Traum mit den Borussen wahrmachen kann, nämlich "noch einmal mit gutem Grund mit einem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren". Nach größeren Erfolgen pflegen sich die Borussen auf diesem innerstädtischen Platz ihren Fans per Autokorso zu präsentieren. Sie und wohl auch sich selbst, der sich "als Mensch" gewünscht hätte, "dass so etwas Schönes nicht zu Ende gehen muss", zu trösten, war Klopp zum Abschluss bemüht. "Ich bin nicht aus der Welt. Ich habe mir auch schon drei Dauerkarten gesichert. Jetzt geht es um den Verein. Der ist größer als wir alle." (sid, lü, DER STANDARD, 16.4.2015)

  • Jürgen Klopp nimmt nicht nur Dortmunds Triumphe, sondern auch die  Fehlentwicklungen der Vergangenheit auf seine Kappe. Angebote hat der von den  Borussen scheidende Trainer keine, aber auch nicht den Wunsch nach einer  sportlichen Auszeit.
    foto: reuters/ina fassbender

    Jürgen Klopp nimmt nicht nur Dortmunds Triumphe, sondern auch die Fehlentwicklungen der Vergangenheit auf seine Kappe. Angebote hat der von den Borussen scheidende Trainer keine, aber auch nicht den Wunsch nach einer sportlichen Auszeit.

  • Jürgen Klopp, flankiert von CEO Hans-Joachim Watzke (li) und Sportdirektor Michael  Zorc (re), bei der Pressekonferenz in Dortmund.
    foto: reuters/ina fassbender

    Jürgen Klopp, flankiert von CEO Hans-Joachim Watzke (li) und Sportdirektor Michael Zorc (re), bei der Pressekonferenz in Dortmund.

Share if you care.