Nokia und Alcatel vereinen sich gegen China

15. April 2015, 18:09
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Finnen wollen Kaufpreis mit Aktien bezahlen

Nokia ist zurück. Nicht mit Handys, sondern dem Geschäft dahinter - der Datenübertragung. Am Mittwoch gab das finnische Unternehmen bekannt, dass es den frankoamerikanischen Konkurrenten Alcatel-Lucent für 15,6 Mrd. Euro übernimmt. Beide Verwaltungsräte haben das Projekt abgesegnet.

Damit entsteht ein Branchenriese mit einem Umsatz von 26 Mrd. Euro und 114.000 Angestellten. An seiner Spitze steht der bisherige Nokia-Chef Rajeev Suri. Der Konzernsitz wird in Finnland sein; große Teile der Forschung und Entwicklung sollen aber auf Betreiben der Pariser Regierung in Frankreich bleiben.

Nokia war ursprünglich an Alcatel herangetreten, um über den Kauf seiner Mobilnetzwerke zu sprechen. Doch die Gesprächspartner merkten rasch, dass eine Fusion aller Unternehmensteile am sinnvollsten wäre. Alcatel-Lucent rüstet Südeuropa, die USA und Kontinentalasien aus, während Nokia in Nordeuropa und Japan stark ist.

Nokia und Alcatel kommen mit den aufaddierten Marktanteilen von jeweils gut acht Prozent auf insgesamt 17 Prozent. Das ist fast so viel wie der schwedische Branchenleader Ericsson mit 17,7 Prozent. Die chinesische Billigkonkurrenz kommt mit Huawei auf 16,1 und mit ZTE auf fünf Prozent.

Möglich ist, dass Nokia sein Digitalkartengeschäft Here mit einem Wert von fast sieben Mrd. Euro abstoßen wird. Das würde den Konzernumsatz um ein Viertel schmälern. Diese Technologie, die in den meisten Navis von Autos steckt und von Google dominiert wird, könnte an den Taxidienst Uber gehen. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 16.4.2015)


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