Athen holt Asylwerber von den Inseln

15. April 2015, 17:09
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Migranten werden laut Aussage von Regierungssprecher von Ägäis ins Landesinnere gebracht

Die letzten Lastwagen sind schon aus dem Schiffsbauch gekrochen und die Polizisten unten am Kai in Piräeus längst wieder weg in ihrem großen Bus mit den vergitterten Scheiben, da kommt ein Grüppchen schwarzgekleideter Passagiere von der Ariadne, Flüchtlinge aus Afrika, ein Stück weiter auf der Reise nach Europa.

Sie sind müde von der Nacht auf dem Deck, immer noch dick eingepackt in Jacken und Wolldecken. Wohin es jetzt geht? "Ich weiß es nicht", sagt einer aus der Gruppe, ein junger Mann aus Kinshasa, der Hauptstadt des Bürgerkriegslands Kongo. "Ich muss ausschlafen und nachdenken. Aber ein Land für mich gibt es ganz sicher", sagt er und lächelt.

Griechenland wird es nicht sein. Das abgebrannte Land der EU, das in diesen Tagen wieder mit einem Ultimatum seiner Kreditgeber kämpft, will sein Problem mit den illegalen Einwanderern nun mit einem Schlag lösen. Seit Dienstag lässt die Regierung der radikalen Linken und der populistischen Rechten Migranten aus den Aufnahmelagern auf den Inseln nach Athen holen, von Lesbos und Chios quer über die Ägäis.

Große Mehrheit erhält Papiere zu Weiterreise

Bei einer Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ist das so entschieden worden. Die "große Mehrheit" der Flüchtlinge, so sagt Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis später den Reportern auf der Straße vor dem Amtssitz des Premiers, werde Papiere bekommen, "mit denen sie dann in das Land ihrer Wahl gehen können".

Dieser Satz steht dann so nicht mehr in der Presseerklärung der Regierung. Der Sprecher hatte sich ungeschickt ausgedrückt. Sakellaridis hat die Flüchtlinge aus Syrien im Blick, denen Athen aus humanitären Gründen Asyl geben will, nicht so sehr "Wirtschaftsflüchtlinge" aus afrikanischen Ländern.

Aber dann gab es doch schon zuvor diese Drohungen an die Europäer: "Wenn sie Griechenland austricksen, dann sollten sie wissen, dass die Migranten Papiere erhalten, um nach Berlin zu gehen", ließ Verteidigungsminister Panos Kammenos im vergangenen Monat die Deutschen wissen. "Millionen von Einwanderern und Tausende von Jihadisten" würden Europa überschwemmen, sollten die Kreditgeber Griechenland zusammenbrechen lassen, warnte Nikos Kotzias, der Außenminister.

Unfaire Dublin-Regel

Ein anderer griechischer Regierungssprecher will das so nun nicht stehen lassen. "Wir haben keine Absicht, Flüchtlinge überall nach Europa zu schicken. Wir halten uns weiter an die Dublin-Regeln", sagt er dem Standard. Die Dublin-Regeln aber sind unfair gegenüber EU-Ländern an den Außengrenzen wie Griechenland, Italien oder Spanien; sie sind es, die den größten Teil der Asylbewerber aufnehmen müssen. Diese Asylregelung in der EU_will Griechenland nun rasch ändern lassen.

  • Flüchtlingsprotest auf dem Athener Sytagma-Platz, Dezember 2014.
    foto: reuters/alkis konstantinidis

    Flüchtlingsprotest auf dem Athener Sytagma-Platz, Dezember 2014.

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