Wilhelm Krautwaschl: Der fröhliche Willi wird Bischof der Steiermark

Kopf des Tages14. April 2015, 18:08
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Der 52-Jährige ist Nachfolger Egon Kapellaris in der Diözese Graz-Seckau

"Er ist auf uns zugekommen. Es war 2003, und wir waren gerade beim Umziehen und frisch in Bruck, da ist er gekommen, hat die Hand ausgestreckt und gesagt: G'riaß di, i bin der katholische Pfarrer do!' Er hat eine ausgesprochen herzliche Art."

Der da so über den neuen Bischof der Steiermark, den 52-jährigen Wilhelm Krautwaschl, den alle nur Willi nennen, spricht, muss es nicht. Er arbeitet nämlich für die Konkurrenz: Wolfgang Schneider ist der evangelische Pfarrer von Bruck an der Mur, wo Krautwaschl einige Jahre Dechant war.

"Für uns als kleine Schwesterkirche in der Steiermark ist die Ernennung nur erfreulich", schwärmt Schneider im Standard-Gespräch, "denn für den Willi Krautwaschl ist Ökumene ganz groß geschrieben, keine Verpflichtung, sondern etwas, das aus seinem Geist kommt." So nahm der im oststeirischen Gleisdorf geborene Krautwaschl seinen Amtskollegen seinerzeit auch bei einer an sich rein katholischen Aktion, in deren Rahmen man Lokalpolitiker besuchte, einfach mit. "Das war für mich ganz toll, weil ich auch Bürgermeister der kleinen Gemeinden kennengelernt habe."

"Sein Lachen kommt von innen", so Schneider. Über dieses markante Lachen des Mannes, der in Graz in Theologie promovierte, 1990 zum Priester geweiht wurde und als Kaplan auch in Hartberg und Knittelfeld war, scherzt man in katholischen Kreisen. "Bei der ersten Pressekonferenz werden die Mikros übersteuern, wenn er loslacht", meint man da.

Die letzten Jahre war Krautwaschl Regens des 2009 eröffneten Grazer Augustinums, eines Zentrums für Bildung und Berufung. Wegbegleiter schwärmen auch von seinem "guten Humor, der Leutseligkeit und Offenheit" , mit der er auf jeden zugehe. Dabei weiß Krautwaschl bei aller Offenheit genau, wo er steht. Als kürzlich der Zölibat wieder diskutiert wurde, gehörte er zu jenen, die ihn verteidigten.

"Als Prediger ist er ein Bestseller, auch bei Firmungen, weil er mit der Jugend gut kann", sagt ein Vertrauter. Der neue Bischof, dessen Ernennung am Dienstag durch den Ministerrat gewinkt wurde, ist auch in der virtuellen Welt zu Hause. Er betreibt einen eigenen Blog und ein Facebook-Profil "und schreibt auch gern zu unchristlichen Zeiten E-Mails", bemerkt ein Kirchenmann. Es werde spannend sein, zu sehen, wie der "unglaublich fleißige, quirlige" Mann das Bischofsamt nach Egon Kapellari ein Stück weit verändern wird. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 15.4.2015)

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