Ungeschlagenes Porto fordert Bayern

14. April 2015, 18:55
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Die Portugiesen gelten als Transferkönige des Fußballs und üben sich vor dem Duell mit den favorisierten Deutschen in Optimismus - Paris ohne Ibrahimovic gegen Barcelona

Porto - Der FC Porto macht seinem Ruf als Transferweltmeister wieder einmal alle Ehre. Der Brasilianer Danilo wechselt im Sommer für 31,5 Millionen Euro zu Real Madrid, ergibt für Porto einen Gewinn von 18,5 Millionen. Es ist schon seit Jahren das Geschäftsmodell des 27-fachen portugiesischen Meisters: Vielversprechende Talente, meist aus Südamerika, werden vergleichsweise günstig eingekauft, entwickelt und dann zu oft horrenden Summen an Spitzenklubs in Europa verkauft.

Trotz der hohen Fluktuation gehört Porto zum Establishment der Champions League. Der Sieger von 2004 nimmt zum 19. Mal an der Königsklasse teil, nur Barcelona und Manchester United können da mithalten. "Das Erfolgsgeheimnis ist ein anderes als beim FC Bayern, bei Real Madrid oder in Barcelona. Was dieser Klub leistet, ist Wahnsinn", schwärmte selbst Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer vor dem Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45, ZDF und derStandard.at/Sport, ebenso Paris SG gegen Barcelona) über den Gegner, der in der bisherigen Saison der Königsklasse noch kein Spiel verloren hat.

Es gibt allerdings zu Portos Businessmodell auch kaum eine Alternative bei rund 280 Millionen Euro Schulden, die sich angehäuft haben. Deshalb muss der Verein Jahr für Jahr einen Transferüberschuss im mittleren zweistelligen Bereich erwirtschaften, um überleben zu können. Nur einmal in den vergangenen zehn Jahren war das nicht gelungen, ansonsten erzielte Porto einen Gesamtüberschuss von 376 Millionen Euro. Die Bayern verbuchten im gleichen Zeitraum laut transfermarkt.de 283 Millionen Euro Minus bei den Transfers, Real gar 682 Millionen.

Es gab vor Danilo prominentere Beispiele für die Einkaufspolitik der Portugiesen, die 250 Scouts beschäftigen. Pepe kostete zwei Millionen Euro und wurde für 30 Millionen an Real verkauft. Hulk (2012 zu St. Petersburg) brachte 31 Millionen Gewinn ein, bei Falcao (2011 zu Atletico Madrid) waren es 35, bei James Rodriguez (2013 nach Monaco) 38 Millionen.

Allerdings gehören inzwischen Anteile an den meisten Profis privaten Investoren, weshalb der Klub nur teilweise kassiert.

Spanische Strategen auf beiden Seiten

Portos Trainer Julen Lopetegui, ein Spanier der lange und erfolgreich im Nachwuchs gearbeitet hat, verfolgt mit dem 27-maligen portugiesischen Meister eine ähnliche Philosophie wie die Münchner. "Sie wollen unbedingt spielen, spielen, spielen. Sie haben eine große individuelle Qualität", sagt Bayern-Coach Pep Guardiola.

Lopetegui muss diesmal wohl auf seinen angeschlagenen Stürmer Jackson Martinez (Adduktorenprobleme) und sicher auf Cristian Tello (Muskelfaserriss) verzichten. Verteidiger Ivan Marcano ist gesperrt. Besonders der Ausfall des Kolumbianers Martinez wiegt schwer. "Er ist eine wichtige Säule für die ganze Mannschaft", betonte Lopetegui.

Dennoch ist bei den Gastgebern, im laufenden Wettbewerb als einziges Team noch ungeschlagen, Optimismus angesagt. "Wer ins Viertelfinale steht, will auch ins Halbfinale. Und dann wollen wir ins Endspiel", sagte Mittelfeldspieler Casemiro. Von Lopetegui wird er nicht gebremst. Die Spieler haben sich diese "kolossalen Träume verdient. Die dürfen sie genießen. Sie wissen auch, dass sie dafür alles geben müssen".

Bei den Bayern ist die Personalsituation bekanntlich angespannt. Guardiola: "Das ist eben so. Wir lamentieren nicht. Wir werden versuchen, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen." Der Vollständigkeit trotzdem noch einmal die Abwesenheitsliste: David Alaba, Bastian Schweinsteiger, Franck Ribéry, Arjen Robben, Medhi Benatia, Javi Martínez.

Rummenigge glaubt, dass Guardiola all das kompensiert. Und mehr: Der "Schlüssel zu allem" sei der Trainer, schwärmte der Boss. "Er hat nicht nur Plan A, B oder C, sondern das ganze Alphabet hoch und runter. Ich glaube, der Gegner weiß im Moment nicht, mit welcher Taktik Pep Guardiola antreten wird." Mit im Flieger nach Porto saß bei den Bayern auch Ivan Lucic. Der 20-jährige österreichische Tormann ist als Backup von Manuel Neuer und Pepe Reina vorgesehen. (sid, red, 14.4.2015)

Champions League, Viertelfinal-Hinspiele, Mittwoch

FC Porto - Bayern München
Estadio do Dragao

Porto: Fabiano Freitas - Danilo, Maicon, Martins Indi, Alex Sandro - Herrera, Casemiro, Oliver - Ricardo Quaresma, Aboubakar, Brahimi. - Trainer: Lopetegui

München: Neuer - Boateng, Alonso, Dante - Rafinha, Lahm, Thiago, Bernat - Götze, Lewandowski, Müller. - Trainer: Guardiola

Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)

Paris SG - FC Barcelona
Parc des Princes

Paris: Sirigu - van der Wiel, Marquinhos, Thiago Silva, Maxwell - Rabiot, Cabaye, Matuidi - Lavezzi, Cavani, Pastore. - Trainer: Blanc

Barcelona: ter Stegen - Adriano, Piqué, Mascherano, Jordi Alba - Rakitic, Busquets, Iniesta - Messi, Suarez, Neymar. - Trainer: Enrique

Schiedsrichter: Clattenburg (England)

  • Danilo ist der nächste Kicker, der Porto Millionen bringt.
    foto: apa/epa/kevalas

    Danilo ist der nächste Kicker, der Porto Millionen bringt.

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    foto: apa/epa/silva
  • Einst im Prater: 1987 erzielt Juary Filho im Endspiel das 2:1 gegen die Bayern - Porto ist Gewinner des Meistercups.
    foto: imago/werek

    Einst im Prater: 1987 erzielt Juary Filho im Endspiel das 2:1 gegen die Bayern - Porto ist Gewinner des Meistercups.

  • Bayern-Tormann Jean-Marie Pfaff, Andreas Brehme und Dieter Hoeneß gehen enttäuscht ab.
    foto: imago/werek

    Bayern-Tormann Jean-Marie Pfaff, Andreas Brehme und Dieter Hoeneß gehen enttäuscht ab.

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