Salzburger Einkaufszentren: Blockadepolitik

Kommentar14. April 2015, 18:00
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Das Nein zu den Konsumtempeln mag sympathisch klingen, inhaltlich bleiben aber viele Fragezeichen

Der kleine Dorfgreißler, die Hofmetzgerei und der Bäcker ums Eck: Die Salzburger Landesregierung träumt von der Dorfidylle. Für diesen Traum verweigern ÖVP, Grüne und Team Stronach die Zustimmung zur Erweiterung oder zum Neubau größerer Einkaufszentren.

Das Njet zu den Konsumtempeln mag sympathisch klingen, inhaltlich bleiben aber viele Fragezeichen: Warum beispielsweise gibt es keine Differenzierung zwischen Projekten auf der grünen Wiese und der Erweiterung bestehender Anlagen ohne Flächenverbrauch? Oder: Warum wählt man eine Rechtskonstruktion, die dem Ansuchenden im Fall einer Ablehnung kein Rechtsmittel einräumt, weil das Land schlicht keine Verordnung erlässt und so auch nichts zu beeinspruchen ist? Selbst Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hat da rechtspolitische Bedenken.

Die zentrale Frage aber lautet: Entstehen so wirklich irgendwo neue kleine Geschäfte oder Handwerksbetriebe? Diesen direkten Zusammenhang gibt es wahrscheinlich nicht. Salzburg ist selbst ein prima Beispiel: Als der Möbelriese Ikea noch nicht in Salzburg war, pilgerten die Salzburger zu Tausenden Jahr für Jahr zum Ikea ins oberösterreichische Haid und nicht zum Tischler nebenan.

Gelingt es der Salzburger Regierung nicht, zusätzlich wirksame Anreize zur Belebung der Dörfer zu schaffen, werden die Kritiker recht behalten: Die reine Blockadepolitik vernichtet Arbeitsplätze und schadet dem Standort. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 15.4.2015)

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