Poppers: Schnüffeldroge kann ins Auge gehen

14. April 2015, 17:24
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Der Konsum von "Poppers" schädigt die Netzhautfunktion in einem größeren Ausmaß als bisher angenommen, warnen deutsche Wissenschaftler

Münster - "Poppers" nennen Konsumenten die Schnüffeldroge, die sie aus kleinen Flaschen inhalieren und die kurzfristig euphorisierend beziehungsweise entspannend wirkt. "Der Effekt hält nur wenige Minuten an, trotzdem kann der Konsum der - legal im Internet oder in einschlägigen Shops erhältlichen - Droge gefährliche Langzeitfolgen haben", sagt Nicole Eter, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster.

Die Wissenschaftlerin konnte zeigen, dass der Konsum von "Poppers" die Netzhautfunktion in einem größeren Ausmaß schädigt als bisher angenommen. Dass die Substanz die Netzhaut schädigt, ist nicht neu: "Wir wissen seit 2010, dass ihre Inhalation zu einer funktionellen Beeinträchtigung im zentralen Netzhautbereich, der Makula, führen kann", ergänzt Eter.

Hier besteht die höchste Dichte der winzigen Zapfen, die das Scharfsehen im Gesichtsfeldzentrum sowie das Farbsehen ermöglichen. Das Forscherteam hat nun ein weiteres Ausmaß dieser Schädigung entdeckt: Neben der Makula kann auch die Netzhautperipherie geschädigt werden. Bei den dortigen Sinneszellen handelt es sich vorwiegend um kleine Stäbchen, die für das Nacht- und das Dämmerungssehen verantwortlich sind.

"Poppers-Retinopathie" statt "Poppers-Makulopathie"

"Unsere Untersuchungen liefern den Nachweis, dass durch den Drogenkonsum nicht nur die Makulafunktion, sondern auch die der gesamten Netzhaut beeinträchtigt werden kann", sagt der Augenarzt Christoph Clemens vom Universitätsklinikum Münster. Liegt ein Schaden im Bereich der Makula vor, wird die Umwelt schemenhaft wahrgenommen und es kommt zu Leseschwierigkeiten. Bei Funktionseinbußen der Stäbchen ist die Dunkelanpassung gestört und die Folge sind Einschränkungen im Sehen in der Dämmerung bis hin zur Nachtblindheit.

Die Schädlichkeit der Substanz wurde durch elektrophysiologische Untersuchungen nachgewisen, mit denen die leitende Funktion der Photorezeptoren auf der Netzhautperipherie überprüft wurde. "Statt wie bisher von einer 'Poppers-Makulopathie' zu sprechen, wäre der ausgeweitete Begriff einer 'Poppers-Retinopathie' angebracht", betont Nicole Eter.

Durch die funktionelle Beeinträchtigung der Netzhaut entstehe für den Patienten im schlimmsten Fall eine irreparable und wahrscheinlich dauerhafte Einschränkung seiner Sehkraft. "Bei der Makulopathie ist die Funktion der Photorezeptoren oft beständig geschädigt. Wir gehen deshalb davon aus, dass dies auch bei der Netzhaut-Peripherie der Fall sein kann", sagt die Medizinerin. In weitere Studien sollen nun die langfristigen Effekte von "Poppers" auf die Augengesundheit eruiert werden. (red, derStandard.at, 14.4.2015)

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