Fördern, nicht investieren

14. April 2015, 18:00
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Phileas: Neuer Verein bündelt Mittel privater Kunstmäzene

Wien - Keine Öffentlichkeit, keine Frauen. So lauteten die Grundsätze als Phileas Fogg, Held in Jules Vernes Roman In 80 Tagen um die Welt, Mitglied im Londoner Reform Club war. Die Wiener Organisation Phileas, die sich den Gentleman-Abenteurer als Namenspatron gewählt hat, hat aber weniger geheimen Männerklüngel im Sinn als vielmehr des Dandys Abenteuergeist für Reisen ins Unbekannte. Diese absolviert der philantrope Verein in die Weiten der Kunstwelt - nicht zum persönlichen Vergnügen, sondern dem "Gemeinwohl verpflichtet". Sponsoring, sei kein Investment und die Förderer daher auch keine Investoren, betont Phileas, der in seinen Aktivitäten nicht auf Österreich oder heimische Künstler beschränkt ist.

Konkret geht es Phileas darum, private Gelder aufzustellen, um zeitgenössische Kunst zu fördern, mit deren Playern zu kollaborieren: also etwa Museen Ankäufe, Institutionen Ausstellungen ermöglichen, alternativ Recherchen zu Werkverzeichnissen unterstützen oder internationale Kuratoren nach Wien einladen. Nach dem Prinzip der Gießkanne wollen die hier pro bono und nach dem Vorbild des seit 2003 bestehenden Outset in London wirkenden Gründer und Kuratoren, Moritz Stipsicz und Jasper Sharp, allerdings nicht fördern. Lieber weniger, dafür aufwändigere Projekte, die sonst gar nicht stattfänden. Mit der über Mitgliedsbeiträge von 20 involvierten Partnern (darunter auch Unternehmen, Stiftungen) und 20 Juniorpartnern (je 15.000 bzw. 2.000 Euro) lukrierten Summe von 300.000 Euro sind das heuer u.a. Ausstellungsprojekte - inklusive Ankäufe - mit Amy Siegel (Museum für angewandte Kunst, Wien) und Latifa Echakhch (Lentos, Linz), aber auch Heimo Zobernigs Beitrag für die Biennale Venedig.

Die Kriterien bei der Auswahl der förderungssuchenden Einreicher (Institutionen) seien natürlich schon eine Form kuratorischen Inputs, so Stipsicz und Sharp. Mit ihrer unabhängigen Initiative wollen sie freilich auch die Diskussion über die "Zukunft der Förderung" aktiv mitgestalten. Das österreichische, öffentliche Fördersystem sei nur zukunftsfähig, wenn die Aussschüttung der Finanzmittel nachhaltig passiert, so Jasper Sharp durchaus skeptisch. Es brauche das Engagement Privater; die bedingte Absetzbarkeit von Spenden an Kunstinstitutionen, bemerkt Stipsicz, sei hierbei jedoch "ein Riesenhinkelstein". (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 15.4.2015)

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