Vorsorge: Mehr Rendite statt staatlicher Prämie

14. April 2015, 17:03
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Fondsanbieter wagen einen Vorstoß zur Reform der Vorsorge. Flexibilität soll Kunden nützen - aber auch der Branche

Wien - Zu wenig flexibel und durch die verpflichtende Kapitalgarantie nicht ertragreich genug - so lautet die Kritik der in Österreich tätigen Fondsanbieter an der bestehenden Zukunftsvorsorge. Unter dem Arbeitstitel "gesperrtes Vorsorgedepot" wollen sie die dritte Säule der Pensionsvorsorge um eine zusätzlich Variante erweitern. "Die Zukunftsvorsorge war der erste Schritt, wir sollten aber nicht stehenbleiben", meint VÖIG-Präsident Heinz Bednar. Bei der derzeitigen Variante haben die Fondsgesellschaften freilich gegenüber den Versicherungen das Nachsehen, auf die bisher der Löwenanteil der Zukunftsvorsorge entfällt.

Ihren Vorschlag wollen die Fondsanbieter Finanzminister Hans Jörg Schelling im Mai schmackhaft machen. Ein Zuckerl haben Bednar und VAIÖ-Vorstand Berndt May, der die ausländischen Anbieter vertritt, auch im Gepäck: Eine staatliche Prämie halten sie bei der neuen Variante nicht für notwendig. Im Gegenzug sollen eine größere Flexibilität bei der Veranlagung sowie der Wegfall der verpflichtenden Kapitalgarantie für höhere Investmenterträge sorgen.

Konkret sollen Kunden individuell entscheiden können, welche Anlagevehikel sie in das Vorsorgedepot packen. Neben Investmentfonds hält Bednar auch Direktveranlagungen, Versicherungen oder auch Sparbücher für denkbar. "Es ist ein neuer Ansatz, über die genaue Ausgestaltung muss man noch diskutieren. International sind solche Varianten durchaus üblich."

Allerdings bremst auch Bednar die Hoffnung auf eine rasche Umsetzung der Reformvorhaben. Im Finanzministerium dürfte er damit jedenfalls keine offenen Türen einrennen, denn dort will man von dem Vorschlag noch nichts gehört haben. Sollten die Pläne scheitern, dürfte die zuletzt sehr starke Entwicklung in Österreich die Fondsanbieter darüber hinwegtrösten.

Rekordvolumen in Österreich

"Als Branche geht es uns ausgezeichnet", stellt Bednar fest. Hohe Mittelzuflüsse, wobei sich gemischte Fonds der größten Zuwendung seitens der Anleger erfreuten, und die positive Entwicklung der gängigen Anlageklassen im ersten Quartal haben das in Österreich verwaltete Gesamtvolumen auf ein Rekordhoch getrieben: 168,9 Mrd. Euro standen per Ende März zu Buche.

Damit spiegelt Österreich, wenngleich etwas zeitverzögert, die internationale Entwicklung wider. Global eilt das von der Branche verwaltete Vermögen bereits seit Jahren von Rekord zu Rekord und erreichte Ende 2014 insgesamt 25,8 Billionen Euro. Die höchsten Mittelzuflüsse erzielten weltweit Rentenfonds. "Es ist überraschend, dass klassische Anleiheninvestments noch ein gutes Jahr hatten", meint May und erklärt diese Entwicklung mit der Erwartung, dass sich Zinserhöhungen in den USA nach hinten verschieben könnten. (Alexander Hahn, DER STANDARD, 15.4.2015)

  • Kunden sollen individuell entscheiden können, welche Anlagevehikel sie in das Vorsorgedepot packen.
    foto: apa/sebastian willnow

    Kunden sollen individuell entscheiden können, welche Anlagevehikel sie in das Vorsorgedepot packen.

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