"Eichwald MdB": Selbstzerfleischung im Haifischbecken der Politik

15. April 2015, 08:00
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Politik ist in Serien meist ein mieses Geschäft. "Eichwald MdB" bleibt diesem Grundsatz treu. So echt, dass es wehtut

Wien – So gut wie immer ist Politik in Fernsehserien ein mieses Geschäft: Die Zynikerin Selina Meyer weiß sich in "Veep" von ihrem Betreuerstab verlässlich falsch beraten. Der Weg des Oberungustls Frank Underwood aus "House of Cards" ist mit Leichen gepflastert. Gänzlich ohne Ideale agieren Bezirkspolitiker im Fernsehen von "The Wire" bis "Altes Geld". Und jetzt also Hajo Eichwald.

foto: zdf

"Ich bin so froh, dass ich die fette Sau nicht mehr sehen muss", sagt der langjährige Bundestagsabgeordnete über den soeben abgetretenen Kollegen. Wer solche Parteifreunde hat, braucht keine Feinde.

Dummer Politiker, übereifriger Beraterstab

Eine schrecklich unfähige Politfamilie treibt in der vierteiligen Satire "Eichwald MdB" ihr Unwesen im Auftrag von Volk und Vaterland, allen voran der titelgebende Abgeordnete, gespielt von Bernhard Schütz. Zusammen mit einem hirnlos-übereifrigen Beraterstab bewegt sich die Truppe nach der Idee von Stefan Stuckmann und der Regie von Fabian Möhrke im Haifischbecken Politik – und frisst sich darin beständig gegenseitig auf. Ein Neuer auf der Liste droht den gemütlichen Sitz im Bundestag streitig zu machen? Eine Ideen muss her. Da war doch noch was? Ja, richtig: Themen setzen! Social Media! Inhalte? Nur wenn sie "richtig sexy" sind, also die Aussicht auf Mehrheit haben. So fern der Realität wirkt das auf den ersten Blick gar nicht.

zdfneo

Weil die Charaktere und ihre Handlungen so absurd überzeichnet sind, kommt niemand ernsthaft auf die Idee, dass politische Prozesse in deutschen Landen sich tatsächlich so ereignen.

Wie einst "Stromberg"

Das Gesetz über Warnfotos von übergewichtigen Frauen auf Fastfood-Packungen löst einen Shitstorm aus, nach dem man klüger ist als zuvor: "In Berlin ist die Kunst, die Scheiße über die Bande zu spielen", sagt Eichwald, der sich zynisch und lächerlich wie einst "Stromberg" aufführt. Ein Spaß, der aber über eines nicht hinwegtäuschen kann: Auf die ernste Politserie deutscher oder auch österreichischer Herkunft neueren Datums wartet man bis dato vergeblich. Ab 16. April donnerstags auf ZDF neo, 22.45 Uhr. Ab 29. Mai im ZDF. (Doris Priesching, DER STANDARD, 15.4.2015)

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