Japans Luxusgüter ziehen Chinesen an

15. April 2015, 14:08
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Die Vorurteile zwischen Chinesen und Japanern wiegen noch immer schwer. Dennoch reisen immer mehr Touristen aus dem Reich der Mitte nach Nippon

Nur 11,3 Prozent der Chinesen haben ein positives Bild von Japan. Das zeigte eine Umfrage, die im September 2014 gemacht worden ist. Trotzdem stieg die Zahl der Japanbesucher im Vorjahr um 83 Prozent auf 2,4 Millionen. Die chinesischen Touristen gaben pro Kopf rund 2000 Dollar (1890 Euro) in Japan aus. Die Kirschblütenzeit hat die Besucherzahlen in diesem März im Jahresvergleich gar um 160 Prozent auf 359.000 Besucher hochschnellen lassen.

Warum hat Japan trotz aller Animositäten so eine große Anziehungskraft auf die Chinesen? Zuerst einmal ist der Konflikt um die zwischen beiden Ländern umstrittenen Inseln weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Führer beider Länder wissen, dass sie wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind. Das hat seinen Niederschlag im, wenn auch frostigen, Handschlag zwischen Chinas Präsident Xi Jinping und Japans Premierminister Shinzo Abe beim Apec-Gipfel vergangenen November in Peking gefunden.

Dann ist die japanische Währung aufgrund der Geldpolitik der Bank von Japan gegenüber dem chinesischen Yuan seit 2012 um mehr als 50 Prozent im Wert gesunken. Das macht japanische Produkte und das Reisen nach Japan für die zunehmend reicheren Chinesen billig.

Anpassung an chinesische Besucher

Zwar sind die japanischen Vorbehalte gegenüber China noch größer als umgekehrt, zudem gelten die Chinesen als laut, oft rüde und ohne Verständnis für die hochentwickelte japanische Etikette; trotzdem wird in Japan viel unternommen, um das Land für die Touristen aus dem Land der Mitte attraktiv zu machen. So haben die japanischen Konsulate in China mehr Personal für die Visavergabe eingestellt. In Japan werden Businesshotels, die keine Geschäftsleute mehr als Gäste finden, den Bedürfnissen der Touristen aus Asien angepasst. In den Kaufhäusern werden schon seit Jahren die Lautsprecheransagen zu Produkten auf Japanisch, Koreanisch und Chinesisch ausgerufen. Zudem gibt es chinesisches Personal zur Beratung der chinesischen Kunden.

Viele Chinesen verbinden Japan und seine Produkte mit Perfektion und Luxus. Besonders beliebt sind Reiskocher und die japanischen Toilettensitze mit eingebautem Bidet, Geruchsentfernung und Musik, um Toilettengeräusche zu übertönen. Die japanischen Hersteller haben sich auf die chinesischen Kunden eingestellt und modifizieren die Sitze für den problemlosen Einbau in chinesischen Klos.

Japan ist für die Touristen aus China ein Land, in dem Gemüse und Obst ohne giftige Rückstände und die Städte von penibler Sauberkeit sind. Und sie bewundern den blauen Himmel, den es in China kaum gibt, wenn sie in ein japanisches Bad auf dem Land fahren.

Die Macht der Vorurteile

Kann der Tourismus helfen, die gegenseitigen Vorurteile abzubauen? Im Falle Japans spricht die Furcht vor dem immer übermächtiger werdenden China dagegen. Im Falle Chinas ist es die große Mehrheit der Chinesen, die nicht nach Japan fahren kann und will.

An diesem Umstand wird auch die Absicht der Tourismusminister aus Japan, China und Südkorea, gemeinsam den Tourismus zwischen ihren Ländern noch mehr zu fördern, nichts ändern. Bei einem gemeinsamen Treffen am vergangenen Wochenende beschlossen sie, dass bis 2020 die Besucherzahl zwischen drei Ländern auf 30 Millionen Besuchern pro Jahr angehoben werden soll. (Siegfried Knittel aus Tokio, DER STANDARD, 15.4.2015)

  • Ein chinesischer Tourist beim Fotografieren traditioneller japanischer Masken vor einem Schaufenster in Tokio: Shopping steht ganz oben auf der Prioritätenliste von Touristen aus China.
    foto: reuters/yuya shino

    Ein chinesischer Tourist beim Fotografieren traditioneller japanischer Masken vor einem Schaufenster in Tokio: Shopping steht ganz oben auf der Prioritätenliste von Touristen aus China.

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