Musik als Hilfsmittel

14. April 2015, 17:09
posten

Benefizkonzert mit Juan Diego Flórez in der Staatsoper

Wien - Musik kann so vieles sein: Trostpflaster, Energiespender, seelisches Grundnahrungsmittel, Hochleistungssport, Kulturgut. Für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen kann Musik aber noch viel mehr sein: ein Weg zu mehr Selbstbewusstsein und Ausgeglichenheit, zu Glück, ein Weg vielleicht sogar aus der Armut.

Vom bahnbrechenden venezolanischen Projekt El Sistema inspiriert, hat Juan Diego Flórez 2011 in seinem Heimatland die Initiative Sinfonia por el Perú gegründet; mehr als 2000 Kinder werden hierbei in 13 Musikschulen ausgebildet. Vergangenen Sonntagmittag lud der peruanische Startenor zum Benefizgalakonzert für seine Initiative in die Wiener Staatsoper.

Zehn Kollegen von Weltrang unterstützten Flórez, sie wurden vom Harmonia Symphony Orchestra unter der Leitung von Andriy Yurkevych begleitet. Das Orchester setzte sich aus jungen Musikern aus verschiedenen Musikförderprogrammen aus aller Welt zusammen sowie aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker.

Es war ein wundervolles Konzert: unmöglich, alle Höhepunkte aufzuzählen. Luca Pisaroni, Anna Bonitatibus, Alessio Arduini, Michele Pertusi, Clemens Unterreiner, Celso Albelo: alle toll. Anstelle der erkrankten Anna Netrebko besang Valentina Nafornita als Rusalka den Mond: eine Stimme wie Honig und Schokolade. Differenzierter, packender als Ildar Abdrazakov kann man Filippos Ella giammai m'amò aus Don Carlo kaum singen. Vittorio Grigolo steigert sich bei Puccinis E lucevan le stelle zu grenzgängerischer, beinahe brachialer Intensität.

Wirbelwind Cecilia Bartoli sorgte für einen szenischen Input: Der Koloraturstar holte den Putzkittel aus ihrer Salzburger Cenerentola -Produktion noch einmal aus dem Fundus und sorgte zusammen mit dem Gastgeber für Gelächter. Mit ihrem kecken, blitzsauberen Sopran gab Aida Garifullina die Musetta. Dann noch einmal Nafornita mit Sì, mi chiamano Mimì aus La Bohème: Vokalkunst in Vollendung.

Nach seinem energischen Pourqoui me réveiller (aus Werther) lud Flórez zum kollegialen Chorgesang: Mit Non ti scordar di me klang das karitative Klassentreffen der Klassikstars gemeinschaftlich aus. Überschäumende Begeisterung für wundervolle Sänger und für ein wundervolles Projekt. (Stefan Ender, DER STANDARD, 15.4.2015)

  • Ein Herz für Kinder: der peruanische Startenor Juan Diego Flórez.
    foto: kristin hoebermann

    Ein Herz für Kinder: der peruanische Startenor Juan Diego Flórez.

Share if you care.