Wiener Zinshausmarkt: Ruhiges Jahr 2014

14. April 2015, 16:05
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Laut Marktbericht von Otto Immobilien wurden im Vorjahr knapp 600 Millionen Euro in Wiener Zinshäuser investiert. Es dürfte aber noch zu einem gewissen "Nachlauf" kommen

599 Millionen Euro: So viel Geld wurde im Vorjahr in Wiener Zinshäuser investiert. Zumindest vorerst – mit Grundbuchstand 15. Februar 2015. Für gewöhnlich kommt es in diesem Markt nämlich nicht selten erst nach einigen Monaten, bisweilen sogar im übernächsten Jahr noch zu Grundbucheintragungen. Dieser sogenannte "Nachlauf" dürfte aber für 2014 eher gering ausfallen; Markus Steinböck, Zinshausmakler bei Otto Immobilien, rechnet mit 100 Millionen Euro, womit das Gesamtvolumen noch auf rund 700 Millionen Euro anwachsen könnte.

Nur noch 14.790 Zinshäuser

Im bisherigen Rekordjahr 2013 wurde ein Volumen von 1,075 Milliarden Euro erreicht, wobei etwa die Hälfte im zweiten Halbjahr umgesetzt wurde, und rund 300 Millionen mit dem Nachlauf dazukamen. Verglichen damit sei das Jahr 2014 ein ausgesprochen "ruhiges Jahr" gewesen, sagte Otto-Firmenchef Eugen Otto am Dienstag bei der Präsentation der aktuellen Analysen seines Hauses zum Zinshausmarkt.

Der Bestand an Wiener Zinshäusern nach strenger Otto-Definition (Baujahr zwischen 1848 und 1918, im Stil des Historismus in geschlossener Bauweise errichtet, keine Sondernutzung, kein Wohnungseigentum) schrumpfte neuerlich und liegt nun bei nur noch 14.790 Exemplaren. Seit Beginn der Otto-Recherchen im Herbst 2009 hat sich der Bestand um 740 verringert, "großteils durch Begründung von Wohnungseigentum, weniger durch Abbruch", erklärt Alexander Bosak, Leiter der Research-Abteilung bei Otto. Ersteres sei auch nach wie vor interessant, besonders in "hippen" Bezirken wie der Leopoldstadt (2.) oder Margareten (5.). Häuser direkt am Gürtel seien seit etwa zwei Jahren verstärkt nachgefragt, sagte Steinböck, und auch der 7. Bezirk habe von der neuen Mariahilferstraße eindeutig gewonnen.

"Sicherster", aber auch "teuerster Markt"

Richard Buxbaum, Leiter Wohnimmobilien und Zinshäuser bei Otto, verwies darauf, dass im Vorjahr hauptsächlich Unternehmen am Wiener Markt aktiv waren, speziell Versicherungen. Mittlerweile sei das deutsche Wort "Zinshaus" auch russischen Investoren ein Begriff, so Buxbaum – gelte der Wiener Markt doch als eines der weltweit sichersten Immobilien-Investments. Weil die Renditen speziell im 1. Bezirk zuletzt bis auf magere 1,5 Prozent sanken, habe man es aber auch mit dem letztlich teuersten Markt zu tun, ergänzte Otto. Innerhalb des Gürtels sind generell kaum mehr als vier Prozent Rendite drinnen, außerhalb sind aktuell bis zu 5,6 bzw. 5,8 Prozent drin – und zwar in den Bezirken 10 und 11 sowie 21 und 22.

Otto nannte als Grund für den Umsatzrückgang auch den Umstand, dass es kaum einen Grund gebe, sich derzeit von einem Zinshaus zu trennen, abgesehen von notwendigen Verkäufen, um etwa ein Familienvermögen aufteilen zu können. Das Geschäft sei deshalb sehr "beratungsintensiv", sagte Otto. "Wir kommen uns manchmal schon vor wie eine Familienberatung."

Dritte Auktion im Herbst

Heuer werde es nach derzeitigem Stand wieder eine Zinshaus-Auktion geben, kündigte Otto am Dienstag zudem an. Zwei verbindliche Anfragen dafür gebe es bereits, Otto würde die "Wiener Zinshausauktion", die bereits zweimal stattfand, aber auch mit nur einem einzigen Objekt durchziehen, wie er sagte: "Lieber ein perfektes Auktionshaus als drei 'fade' Häuser."

Freilich müsse auch das Volumen für eine Versteigerung passen. Ein Haus um 15 oder 20 Millionen Euro sei dafür nicht geeignet; die Otto-Experten nannten eine Bandbreite von 1,5 bis 5 Millionen Euro als sehr gut geeignet. (Martin Putschögl, derStandard.at, 14.4.2015)

  • Manche Zinshaus-Verkäufer scheuen die "Öffentlichkeitswirkung", die etwa ein Bieterverfahren oder gar eine Versteigerung mit sich bringt. Wer auf einen möglichst transparenten Verkaufsprozess Wert legt, ist mit einer Auktion aber wohl gut bedient.
    foto: otto & brichard

    Manche Zinshaus-Verkäufer scheuen die "Öffentlichkeitswirkung", die etwa ein Bieterverfahren oder gar eine Versteigerung mit sich bringt. Wer auf einen möglichst transparenten Verkaufsprozess Wert legt, ist mit einer Auktion aber wohl gut bedient.

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