LeTV: Das "Netflix Chinas" strebt in die USA

15. April 2015, 18:16
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Konzern stellt Highend-Smartphones vor und verkauft sie nach eigenen Angaben unter dem Herstellungspreis

Smart TVs, Settop-Boxen – daraus besteht abseits eines Ausflugs in die Welt der Elektroautos das Hardware-Sortiment des chinesischen Unternehmens LeTV. Seit kurzem führt man auch noch drei verschiedene Smartphones mit üppiger Ausstattung im Programm.

Doch das sind nicht die Produkte, mit denen der Konzern hauptsächlich sein Geld verdient. Denn LeTV ist, so umschreibt es Wired, eigentlich das "Netflix Chinas".

US-Expansion noch heuer geplant

Wobei: Nimmt man es ganz genau, muss man dem einstigen Google-Angestellten Mark Li Recht geben und eigentlich davon sprechen, dass Netflix das LeTV der Vereinigten Staaten ist. Immerhin, so betont der Verantwortliche für Datenanalyse bei dem Konzern, bietet man seine Streamingdienste bereits seit 2004 an, während Netflix erst 2007 an den Start ging. Mittlerweile wird der Wert der Firma auf zwölf Milliarden Dollar geschätzt.

Bis Ende des Jahres will man die eigenen Smartphones auch in den USA an den Start bringen und in Übersee eine große Präsenz aufbauen. Ein Teil der bisher schon erfolgreichen Strategie: Man versteht weiterhin Online-Videos als das ertragreiche Produkt und nicht die eigenen Geräte. Diese seien, ähnlich wie etwa bei Amazons Kindle Tablets und vielen Geräten des heimischen Konkurrenten Xiaomi, nur ein Werkzeug, um die eigentliche Dienstleistung verfügbar zu machen.

Kein Gewinn durch Hardware

Daher fährt man eine aggressive Preisstrategie. Die neuen Smartphones, das LeTV Le 1, Le 1 Pro und Le Max, werden laut CEO Jia Yueting in China sogar knapp unter dem Herstellungspreis verkauft. So soll das mittlere Modell Le 1 Pro, das den Qualcomms Highend-Chip Snapdragon 810, vier GB RAM und ein 2K-Display mitbringt, in der Herstellung rund 409 US-Dollar kosten, aber für umgerechnet 403 Dollar verkauft werden, berichtet Tech in Asia.

"Wir müssen keinen Gewinn durch Hardware machen", sagte Jia während der Präsentation der Geräte. Gleichzeitig kritisierte er andere Smartphone-Hersteller scharf für ihre Preispolitik. Besonders hart ging er mit Apple ins Gericht und bemängelte das Geschäftsmodell aus "geschlossenem" Ökosystem in Kombination mit Geräten, die im Handel mehr als doppelt so viel Kosten würden, wie in der Herstellung.

Herausforderung Übersee

Auch wenn das Ziel, in den USA vorerst ist, dort lebendes, chinesisch sprechendes Publikum mit chinesischem Content zu versorgen, könnte der Markteinstieg eine große Herausforderung werden. "Lieferketten, Beziehungen, Platz in den Regalen erkämpfen", listet Marktforscher Dan Miller von Opus Research die Hausaufgaben für den kommenden Neueinsteiger am Markt. Dazu drohen möglicherweise Klagen von Apple oder Microsoft aufgrund der Verwendung eines Android-Systems, während US-Nutzer aus Datenschutzbefürchtungen heraus skeptisch reagieren könnten.

Dementsprechend erklärt LeTV bereits jetzt, dass man für seinen Dienst Serverinfrastruktur in den USA errichten werde, um den Kunden zu vermitteln, dass man ihre Rechte schütze.

Amazon, nicht gerade eine kleine Nummer im Streaming-Geschäft, ist zuletzt daran gescheitert, für sich den Smartphone-Markt zu erschließen. Das Firephone, das von der Fachpresse mit verhaltenen Kritiken bedacht wurde, wurde vom Online-Händler allerdings zum Premium-Preis angeboten und erst nach einiger Zeit stark vergünstigt. (gpi, 15.04.2015)

  • Rund 2,5 Stunden währte die Präsentation der neuen Geräte von LeTV.
    foto: letv

    Rund 2,5 Stunden währte die Präsentation der neuen Geräte von LeTV.

  • Als Kerndienstleistung versteht das Unternehmen sein Videostreaming-Angebot, das seit 2004 besteht.
    foto: letv

    Als Kerndienstleistung versteht das Unternehmen sein Videostreaming-Angebot, das seit 2004 besteht.

  • Die zum Sortiment hinzugekommenen Highend-Smartphones werden nach Angaben des Unternehmens unter dem Herstellungspreis verkauft.
    foto: letv

    Die zum Sortiment hinzugekommenen Highend-Smartphones werden nach Angaben des Unternehmens unter dem Herstellungspreis verkauft.

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