Carolina Schutti erhält EU-Literaturpreis

14. April 2015, 13:47
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Gemeinsam mit Autoren aus elf anderen europäischen Ländern ausgezeichnet

Wien - Die Tiroler Autorin Carolina Schutti ist die diesjährige österreichische Gewinnerin des Europäischen Literaturpreises. Ausgezeichnet wird sie für ihren Roman "einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein" (Müller Verlag), hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels. Insgesamt erhalten zwölf Preisträger aus EU-Ländern je 5.000 Euro Preisgeld.

Hauptverbandspräsident Alexander Potyka lobte den EU-Literaturpreis als "europäisch im besten Sinne des Wortes. Er kürt keinen Europameister, sondern es ist ein Preis, der die Vielsprachigkeit und Vielfalt der Kulturen insofern wahrnimmt und stärkt, dass in jedem Land ein eigener Preisträger gekürt wird." Der "European Union Prize for Literature" wird an erfolgreiche Nachwuchsautoren in Europa vergeben, die noch weniger als vier Bücher veröffentlicht haben. Die Preisträger der weiteren Länder wurden zeitgleich am Dienstag in London im Rahmen der London Book Fair bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 23. Juni in Brüssel durch den EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Tibor Navracsics, statt.

"Hier wird auf Literatur aufmerksam gemacht, die sonst am europäischen Markt nicht die Möglichkeit hat, derartige Aufmerksamkeit zu erregen", so IG Autorinnen-Geschäftsführer Gerhard Ruiss über die Strahlkraft des Preises vor allem für kleinere EU-Länder. Zudem ermögliche der Preis den ausgezeichneten Schriftstellern den Zugang zu qualitativ hochwertigen Übersetzungen. "Ich habe bei Wettbewerben oft den zweiten Platz gemacht, was nicht an die Öffentlichkeit dringt, sogesehen ist es großartig, dass es diesmal geklappt hat", freute sich Schutti bei der Pressekonferenz. "Meine Bücher werden oft als leise bezeichnet, mir geht es mehr ums Innere als ums Äußere", charakterisierte die Autorin ihr Schaffen.

Freie Autorin in Innsbruck

Carolina Schutti wurde 1976 in Innsbruck geboren. Sie studierte Germanistik (Promotion über Elias Canetti), Anglistik und Amerikanistik sowie Konzertgitarre und absolvierte danach eine Gesangsausbildung. Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit, u.a. als Lektorin an der Universität Florenz, kehrte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Literaturhaus am Inn nach Innsbruck zurück und lebt mittlerweile als freie Autorin in Innsbruck. Sie veröffentlichte seit 2006 Erzählungen sowie zwei Romane im Otto Müller Verlag. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie u.a. den Alois Vogel Literaturpreis 2012 sowie Nominierungen für den Rauriser Literaturpreis 2011 und den Alpha Literaturpreis 2012. Im Februar 2015 erschien die Novelle "Eulen fliegen lautlos" in der edition laurin.

In der Jury-Begründung heißt es: "Carolina Schutti beschreibt in einer klaren und doch sehr poetischen Sprache, gänzlich unpolitisch und doch sehr hellsichtig die Situation von Vertriebenen. Wie im Titel 'einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein' bereits angedeutet, bleibt die Identitätssuche lebensbestimmend für die Erzählerin auch im weiteren Verlauf der Handlung." In dem Buch geht es um Maja, die nach dem Tod ihrer Mutter bei einer Tante aufwächst, die sie ernährt und ihr einen Schlafplatz gibt, sie aber über ihre Vergangenheit im Unklaren lässt. Jeder Versuch von Maja, sich an ihre Herkunft, an ihre Vergangenheit zu erinnern, scheitert.

Die weiteren Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union stammen heuer aus Kroatien, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien, Litauen, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden und der Slowakei. Der European Union Prize for Literature wird von der Europäischen Kommission, der Europäischen Buchhändlervereinigung, dem Europäischen Schriftstellerrat und dem Europäischen Verlegerverband organisiert. Ziel des 2009 vergebenen Preises ist es, "den Reichtum des zeitgenössischen europäischen Literaturschaffens in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, die Verbreitung literarischer Werke innerhalb Europas zu fördern und größeres Interesse für Literatur außerhalb des Heimatlandes zu wecken". Ein Fokus liegt in weiterer Folge auf der Unterstützung von Übersetzungen der Werke der Preisträger.

Nationale Jurys wählen jährlich in einem Drittel der EU-Länder die Gewinner aus, sodass in einem Zeitraum von drei Jahren alle Länder vertreten sind. 2009 wurde der Österreicher Paulus Hochgatterer mit "Die Süße des Lebens" ausgezeichnet, 2012 erhielt die aus Südkorea stammende Wiener Autorin Anna Kim den Preis. Die österreichische Jury setzte sich diesmal aus der Vorsitzenden Annette Knoch (Droschl Verlag), Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) sowie Jacqueline Csuss (IG Übersetzerinnen Übersetzer) zusammen. (APA, 14.4.2015)

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