Umstrittenes Herbizid Glyphosat im Weinbau

Kolumne21. April 2015, 17:34
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Für die EU ist das Spritzmittel Glyphosat unbedenklich, für die WHO "wahrscheinlich krebserregend"

Während im Frühling überall sonst Wiesen in saftigem Grün sprießen, zieht sich in vielen Weingärten ein brauner Streifen die Rebzeilen entlang. Grund dafür ist der Einsatz des beliebten Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Bekannt wurde das Breitbandherbizid des US-Chemieriesen Monsanto unter der Bezeichnung "Roundup". Mittlerweile wird es von etlichen Agro-Konzernen hergestellt und hat so drollige Namen wie "Basta" oder "Clean up". Im konventionellen Weinbau ist Glyphosat erlaubt. Es vernichtet zuverlässig jegliches Wachstum rund um den Rebstock.

"Wahrscheinlich krebserregend"

Von den EU-Behörden bislang als unbedenklich eingestuft, wird Glyphosat in einem unlängst erschienenen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO als "wahrscheinlich krebserregend" bewertet. Etliche Studien warnen zudem vor erhöhtem Auftreten von Missbildungen und Fehlgeburten bei Kontakt mit dem systemischen Herbizid. Bodenorganismen, Insekten, Säugetiere, Amphibien und Fische wiesen demnach schwere Schädigungen auf.

Die EU-Behörden halten an der Zulassung des chemischen Spritzmittels fest. Auch Hersteller preisen es im "Spritzplan für Winzer" unbeirrt als besonders gründlich, aber harmlos für "Nichtzielorganismen" an: als eine Art Frühjahrsputz für den Weingarten sozusagen. Man darf hoffen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. (Christina Fieber, Rondo, DER STANDARD, 17.4.2015)

  • Glyphosat spaltet die Gemüter.
    foto: ap/neibergall

    Glyphosat spaltet die Gemüter.

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