Wiesberger: Auf Augenhöhe, nicht am Ziel

13. April 2015, 17:45
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Schritt für Schritt etabliert sich der Burgenländer in der Weltspitze und setzt sich neue Ziele

Augusta - Regelmäßig bei den Majors dabei sein? "Will ich." Österreich bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio vertreten? "Will ich." In der Weltrangliste von Platz 40 weiter nach vorn kommen? "Will ich." Lieber früher als später, vielleicht gar schon 2016, im europäischen Ryder-Cup-Aufgebot stehen? "Will ich."

Kein Wunder, dass sich nach einem Wunschkonzert anhört, was Bernd Wiesberger da zum Besten gibt. Der 29-Jährige strotzt nur so vor Selbstvertrauen, das Jahr hätte für ihn bis dato schließlich "kaum besser laufen können". Die Saison hatte mit den Rängen sechs (Abu Dhabi), drei (Katar), vier (Dubai) und zwei (Malaysia) begonnen, Wiesberger katapultierte sich in der Weltrangliste in die Top 50, qualifizierte sich als erster Österreicher fürs Masters.

Dort schaffte er - als einziger Kontinentaleuropäer neben dem Spanier Sergio Garcia (17.) und dem Schweden Henrik Stenson (19.) - nach durchwachsenem Start den Cut und belegte Rang 22. So ließ er mit Charl Schwartzel (2011), Bubba Watson (2012, 2014) und Adam Scott (2013) die Masters-Sieger der vergangenen vier Jahre hinter sich. Allein Österreichs beste Major-Platzierung gehört noch Markus Brier, dem Zwölften der British Open 2007.

Im Race to Dubai, der europäischen Verdienstrangliste, liegt Wiesberger mit knapp 728.000 Euro an sechster Stelle. Der Oberwarter ist einerseits zufrieden, will sich aber andererseits nicht zufriedengeben. "Ich will den nächsten Schritt machen", sagte er dem Standard. Wie dieser Schritt aussehen soll? "Ich will mich möglichst schnell weiter vorn festsetzen."

Lehrgeld und Hartnäckigkeit

Beim Masters stand Wiesberger, von Trainer Philippe De Busschere blendend eingestellt, am Ende als bester Debütant des Jahres da, und er resümierte: "Ich habe anfangs sicherlich Lehrgeld gezahlt. Ich bin aber ruhig geblieben und habe meine Chancen kommen lassen. So wie ich mich hier präsentiert habe, war das richtig gut. Das war eine geniale Woche." Der Belgier De Busschere lobte die Hartnäckigkeit seines Schützlings. "Bernds größte Leistung war, dass er geduldig geblieben und nie vom Weg abgewichen ist. Das nächste Mal wird er sich hier schon viel leichter tun."

Viel Zeit, sein Masters-Debüt mit 86.360 Euro Preisgeld und zwei Kristallgläsern für den Eagle am Finaltag - am 15. Loch kam er mit drei statt fünf Schlägen aus - zu feiern, hatte Wiesberger nicht. Schon am Montag machte er sich auf den Weg zurück nach Österreich, um sich kurz für kommende Aufgaben zu erholen.

Diese Aufgaben werden Österreichs besten Golfer aller bisherigen Zeiten freilich bald wieder in die USA führen, zu den Zurich Classic in New Orleans (6,9 Mio. Dollar, ab 23. April), zum WGC-Turnier in San Francisco (9,25 Mio. Dollar, ab 29. April), wohl auch zur Players-Championship in Ponte Vedra Beach, Florida (zehn Mio. Dollar, ab 7. Mai). Erst danach kehrt Wiesberger bei der PGA Championship (ab 22. Mai) in Wentworth nach Europa zurück, Mitte Juni hat er vor den US Open die Lyoness Open, sein Heimturnier in Atzenbrugg, auf dem Turnierplan.

Spieth egalisiert Woods

Jordan Spieth (21), den Masters-Sieger, wird man in Atzenbrugg eher nicht sehen. Der Texaner, 2014 auf Rang zwei, gewann vier Schläge vor Phil Mickelson (USA) und Justin Rose (GBR) und egalisierte mit 270 Schlägen als zweitjüngster Masters-Sieger den Turnierrekord von Tiger Woods (heuer 17.), der 1997 beim ersten seiner vier Erfolge fünf Monate und zwei Tage jünger gewesen war. In der Weltrangliste schob sich Spieth auf Rang zwei hinter dem nordirischen Masters-Vierten Rory McIlroy. (fri, APA, DER STANDARD, 14.4.2015)

  • Wiesbergers Weg geht bergauf.
    foto: apa/epa/erik s. lesser

    Wiesbergers Weg geht bergauf.

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