Conwert-Gründer: "Wovon spricht der Piefke?"

13. April 2015, 17:36
84 Postings

Günter Kerbler, Gründer der Conwert, ist gegen die Übernahme durch Deutsche Wohnen. Aktionär Haselsteiner wirft er vor, um sich zu schlagen

STANDARD: Am Mittwoch läuft das Angebot der Deutschen Wohnen für Conwert aus. Die Deutschen bieten 11,50 Euro je Aktie. Hans Peter Haselsteiner, dessen Stiftung 24,4 Prozent hält, will den Großteil seiner Beteiligung verkaufen und sagt einen "Aktionärskrieg" voraus, sollte der Deal nicht klappen. Was hält der Conwert-Gründer davon?

Kerbler: Ich weiß nicht, was Herr Haselsteiner damit meint und mit welchen Waffen da vorgegangen werden soll. Das ist eine Art, etwas durchzudrücken, die mir nicht geläufig ist.

STANDARD: Sie sind im Herbst 2011 ausgestiegen, wie viele Aktien halten Sie noch?

Kerbler: Keine. Die letzten Aktien habe ich 2012, 2013 verkauft. Was haben die Conwert-Chefs seither getan? Das verkauft, was wir gekauft hatten. Es wurde nichts entwickelt, es gibt in der Conwert keinen mehr, der weiß, wie man das Wort Immobilie schreibt. Da sitzen Investmentbanker mit ihren Untergebenen, die sich fürchten.

STANDARD: Was genau kreiden Sie den Conwert-Chefs an?

Kerbler: Sie setzen alles auf Cashflow, kaufen Immobilien à la Großfeldsiedlung und Kasernen, Immobilien mit höheren Renditen. Wir haben damals mehr auf Qualitätsimmobilien gesetzt, etwa Häuser in der Wiener Innenstadt, die wir um zehn Millionen gekauft und um 15 Millionen Euro verkauft haben. Da hatten wir zwar zunächst geringere Renditen, aber dann einen hohen Verkaufserlös. Diese Juwelen, diese Prachthäuser in der Innenstadt hat die Conwert verkauft. Leider.

Finanzchef Thomas Doll ist nicht begabt, Generaldirektor Clemens Schneider wäre bestenfalls ein Finanzchef, ist aber kein Generaldirektor. Das Immobilien-Know-how im Vorstand ist auf Taxifahrerniveau, der Vorstand gehört ausgetauscht. Unter ihm sind die EDV- und Beraterkosten gestiegen, die Entwicklungskosten gehen gegen null, die Conwert wartet nur, wer den Mietzins zahlt.

STANDARD: Was halten Sie vom Angebot der Deutschen?

Kerbler: Es ist lächerlich. Die Deutschen geben den Net Asset Value (NAV) der Conwert mit 13,20 Euro an; ich bin sicher, dass er bei 15 liegt. Andererseits ist der NAV der Deutsche Wohnen überbewertet.

STANDARD: Deutsche Wohnen warnt die Conwert-Anleger in Inseraten davor, sich Luftschlösser verkaufen zu lassen. Haben Sie Luftschlösser hinterlassen?

Kerbler: Was heißt da Luftschlösser? Wovon spricht der Piefke? Er will die restlichen Wiener und deutschen Juwelen und braucht die Conwert, weil sie unterbewertet und Deutsche Wohnen überbewertet ist. Alles zusammengemischt, lässt sich die Relation wieder herstellen.

STANDARD: So läuft das Geschäft.

Kerbler: Ja, das ist auch niemandem vorzuhalten. Aber die beiden Unternehmen passen nicht zusammen. Conwert sollte nicht in Richtung Massenware gehen wie Deutsche Wohnen, in Immobilien, in denen Hartz-IV-Bezieher wohnen und bei denen oft der Staat die Miete zahlt. Geld verdient man mit der Entwicklung von Immobilien und Weiterverkauf oder mit Parifizierungen.

STANDARD: Sehen Sie als Gründer der Conwert das nicht zu kritisch, und verherrlichen Sie Ihre Zeit?

Kerbler: Fürs Immobiliengeschäft braucht man jedenfalls auch das Herz und die Seele. Schneider kennt die Immobilien der Conwert gar nicht, nur vom Papier. Ich kenne heute noch mehr Häuser der Conwert als die beiden Chefs zusammen.

STANDARD: Alle können nichts, nur Sie? Was würden Sie denn tun?

Kerbler: Ich würde den Vorstand auswechseln und mit Leuten aus der Immobilienbranche besetzen. Mit Leuten, die sich mit diesem Geschäft identifizieren können. So weitertun wie bisher: Das gibt ein Fiasko.

STANDARD: Glauben Sie, dass der Deal mit den Deutschen klappt?

Kerbler: So wie sich die handelnden Personen derzeit aufführen, glaube ich fast, dass es sich nicht ausgeht. Wenn doch, dann geht der Streit mit den kritischen Aktionären Alexander Proschofsky und Klaus Umek weiter, die gegen den Deal und den Vorstand sind.

STANDARD: Mit Umeks Petrus Advisers hielt Haselsteiner früher seine Beteiligung. Nach Streit und Trennung beschrieb Haselsteiner deren Kampf in der Conwert als Spielfeld für Neurosen. Die Conwert: eine Art offene Psychiatrie?

Kerbler: Haselsteiner schlägt um sich, offenbar reicht seine Macht nicht mehr aus, dass alle auf Kommando tun, was er will. Wenn die Conwert so weitergeführt wird, sind wir bald bei einem Kurs von acht Euro – und zwar auf Dauer.

STANDARD: Zu "News" sagte er, er wisse nicht, zu welchem Preis er bei Conwert eingestiegen ist. Er hat viele Aktien von Ihnen gekauft, wissen Sie's? Wie wäre sein Schnitt bei einem Preis von 11,50 Euro?

Kerbler: Er macht tausendprozentig einen Gewinn, ungefähr 60 Millionen Euro. Ich habe ihm Aktien teilweise um sechs Euro verkauft – und nicht wenige. In der damaligen Finanzkrise haben die Banken Druck gemacht, und ich dachte, die Conwert in gute Hände zu geben.

STANDARD: Sie könnten ja den weißen Ritter spielen und einsteigen.

Kerbler: Ich sehe mich nicht als weißen Ritter. Die Conwert ist mein Kind, mein Produkt, und mir ist wichtig, dass die Leute erfahren, was da passiert. Sie sollen sich überlegen, ob sie nicht besser den österreichischen Weg gehen, einen neuen Vorstand suchen und die Hauptversammlung abwarten.

STANDARD: Ein Erste-Analyst sagte vor kurzem, dass das Portfolio der Conwert so aussieht, als hätte man mit der Schrotflinte auf eine Landkarte geschossen. Diese Verteilung haben Sie hinterlassen.

Kerbler: Die Conwert-Tochter Eco kann man da kritisieren. Aber Conwert hatte eine klare Strategie: Sie konzentrierte sich auf Wien, Berlin, Dresden und Leipzig. Heute hat die Conwert keine Strategie – nirgendwo. Ich verstehe nicht, warum sie nie teilnimmt, wenn etwa die Uniqa Immobilienpakete verkauft, Juwelen in Wien-Währing, Jugendstilhäuser an der Wienzeile. Keine Ahnung.

STANDARD: Deutsche Wohnen kritisiert, dass die Ruhe im Unternehmen fehlt und die langfristige Finanzierung. Verstehen Sie das?

Kerbler: Dass es keine Ruhe gibt, ist zu einem Gutteil Herrn Haselsteiner zu verdanken und dem vorauseilenden Gehorsam des von ihm ins Unternehmen gedrückten CEO Schneider. Und wegen der Finanzierung muss man sich keine Sorgen machen: Es gibt genug Geld und Verdienstmöglichkeiten in der Gesellschaft.

STANDARD: Conwert hat 2014 aber einen Verlust von neun Millionen Euro gebaut, der ist auch auf Zinsswaps der Jahre 2007 bis 2010 zurückzuführen. Ihr teurer Nachlass?

Kerbler: Wenn man diese Zinsswaps auslaufen ließe, wären sie eine jährliche Belastung von rund zehn Millionen Euro – also verkraftbar. Außerdem hätte der Vorstand die Swaps auch abbauen können beim Verkauf der damit abgesicherten Projekte. Herr Doll hätte zudem fünf Jahre Zeit gehabt, die Swap-Geschichte zu lösen – stattdessen hat er jede Menge Prozesse mit deutschen Ex-Partnern angezettelt, verloren und viele Millionen versenkt. Und weitere Prozesse werden folgen. Obwohl ich schon einen viel billigeren Vergleich mit den Leuten in der Tasche hatte. (Renate Graber, DER STANDARD, 14.4.2015)

Günter Kerbler (59) war Versicherungsmakler, bevor er ins Immobiliengeschäft einstieg. Er gründete die Conwert, brachte sie an die Börse und stieg 2011 aus der Gesellschaft aus. Heute verwaltet seine Kerbler-Holding Immo-Vermögen im Wert von 500 Millionen Euro.

  • Conwert-Gründer Günter Kerbler: "Es gibt in der Conwert keinen mehr, der weiß, wie man das Wort Immobilie schreibt."
    foto: standard/regine hendrich

    Conwert-Gründer Günter Kerbler: "Es gibt in der Conwert keinen mehr, der weiß, wie man das Wort Immobilie schreibt."

Share if you care.