Salzburger Europark wartet auf Ausbau

14. April 2015, 09:00
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Grüne Raumordnungspolitik blockiert alle Neu- und Ausbauten von Einkaufszentren

Der zum Spar-Konzern gehörende Europark im Salzburger Stadtteil Liefering gilt mit einem Jahresumsatz von 9.630 Euro pro Quadratmeter als das erfolgreichste Einkaufszentrum Österreichs. Seit Jahren plant das Management die Erweiterung der knapp 40.000 um weitere 11.300 Quadratmeter Einkaufsfläche. Die Flächen sollen aus nicht mehr benötigten Lagerräumen und einem Parkplatz kommen.

Obwohl man schon vor dreieinhalb Jahren das Vorhaben eingereicht und um die notwendige Verordnung angesucht hat, stehen die Chancen für den Ausbau schlechter denn je. Im Februar hat die für Raumordnungsfragen zuständige Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler (Grüne) ein Moratorium für den Neu- und Ausbau von Einkaufszentren verkündet. Obwohl der Anlassfall eigentlich ein neuer Möbelmarkt "auf der grünen Wiese" im Pongau war, sind alle der aktuell 23 eingereichten Projekte fürs Erste auf Eis gelegt.

300 neue Jobs – oder 200 alte bedroht

Dass man mit neuen Projekten einfach auf die gleiche Stufe gestellt wird, führt beim Chef der Spar European Shopping Centers (SES), Marcus Wild, nur zu Kopfschütteln. Der Europark sei mit fünf Buslinien und einer eigenen S-Bahn-Haltestelle bestens an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden – 1,5 Millionen Besucher pro Jahr kämen mit den Öffis.

Bei den 130 Shops derzeit gebe es auch viele regionale Klein- und Mittelbetriebe, argumentiert der Spar-Chef. Und schließlich: Derzeit biete der Europark rund 2.000 Arbeitsplätze und etwa 120 Lehrstellen. Kommt die Erweiterung, würden 300 neue Jobs geschaffen, kommt sie nicht, wären 200 alte bedroht.

Zwei Gesetze

Aber genau das Jobargument ist das, was die Grünen so nicht glauben wollen. Laut Landtagsklubobmann Cyriak Schwaighofer würde jeder Arbeitsplatz im Shoppingcenter "zwei bis fünf Arbeitsplätze im Einzelhandel kosten".

Einen Ausweg aus der nicht zuletzt aufgrund solcher Glaubenssätze ziemlich verfahrenen Situation und damit eine Art "Lex Europark" hat der Geschäftsführer des Bauträgers Salzburg Wohnbau dieser Tage in einem ORF-Interview vorgeschlagen. Christian Struber – einst ÖVP-Landesparteigeschäftsführer und schwarzer Parteichef im Tennengau – schlägt vor, zwei Raumordnungsgesetze zu schaffen: eines für den Ballungsraum, ein zweites für die ländlichen Regionen.

"Kein Bedarf"

Die Bedürfnisse von Stadt und Land müssten auseinandergehalten werden. Am Land ginge es mehr um den Erhalt der Infrastruktur, wie zum Beispiel um die Kinderbetreuung oder die Nahversorgung, als in der Stadt.

Astrid Rössler hält von einer Teilung des Raumordnungsgesetzes allerdings wenig: Für zwei Gesetze in einem Bundesland bestehe kein Bedarf. "Schon jetzt ist das Raumordnungsgesetz so formuliert, dass es sowohl die Spezifika kleiner Gemeinden als auch des Zentralraumes umfasst", sagt ein Sprecher Rösslers auf Anfrage des STANDARD. Für regionale Ausprägungen stünde das Landesentwicklungsprogramm zur Verfügung. (neu, DER STANDARD, 11.4.2015)

  • Eigentümer SES würde den Salzburger Europark gerne um 11.300 m² erweitern, das Land hat aber Ausbauten von Einkaufszentren gestoppt.
    foto: ses

    Eigentümer SES würde den Salzburger Europark gerne um 11.300 m² erweitern, das Land hat aber Ausbauten von Einkaufszentren gestoppt.

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