ORF 3: Straßenfeger von einst ohne Quotendruck heute

14. April 2015, 06:13
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Sender präsentiert Populäres und Rares aus 70 Jahre Filmschaffen in Österreich

Wien - Worte, die im quotenfixierten ORF selten zu hören sind, spricht Peter Schöber ganz gelassen aus: "Es wäre fein, wenn jemand zusieht." Und: "Die Quote ist uns ziemlich wurscht", sagt der ORF-3-Chef zum STANDARD, "sonst müssten wir ja den Mundl spielen." Sieben Jahrzehnte österreichisches Filmschaffen rückt Spartensender ORF 3 bis Juni ins Programm - garniert mit Erläuterungen österreichischer Filmgrößen. Sie setzen Produktionen in einen kultur- und zeithistorischen Kontext. Den Part übernehmen etwa Peter Patzak, Robert Dornhelm, Ursula Strauss oder André Heller.

Den Auftakt des Schwerpunktes "70 Jahre Film in Rot-Weiß-Rot" macht am Dienstag um 21.50 Uhr "Müllers Büro". Niki Lists Krimiparodie war 1986 ein Kassenschlager, von dem er damals fasziniert gewesen sei, sagt Schöber. Heute sehe er den Film mit anderen Augen: "Eine gewisse Patina ist da schon dabei." Patina hin, Aufreger von vor Jahren her: Der Kultfilm wurde frisch digitalisiert und ist einer von 35 Filmen, die das Spektrum der letzten sieben Jahrzehnte repräsentieren sollen.

"Sissi" und Peter Alexander

Wenn es um die Zweite Republik geht, dann sind Klischees nicht weit - und da dürfen wiederum "Sissi"-Filme nicht fehlen. Ernst Marischkas Trilogie mit Romy Schneider (5., 12. und 19. Mai) ist genauso zu sehen wie "Charleys Tante" (26. April) mit Peter Alexander. Damals ein echter "Straßenfeger", so Schöber.

In HD neu abgetastet und teilweise restauriert wurde "Mephisto" (14. Mai) mit Klaus Maria Brandauer. Der Film erhielt 1982 den Oscar für den besten ausländischen Film. Genauso wie 2008 "Die Fälscher" von Stefan Ruzowitzky (1. Mai). Gerade Produktionen aus den 1980er-Jahren verstaubten in Archiven und lägen oft nur in sehr schlechter Qualität vor, bedauert Schöber. Er sieht eine Verantwortung des ORF, diese Filme zu revitalisieren.

Eine Rarität im filmischen Bouquet ist "Das andere Leben" (28. April) aus dem Jahr 1948. Thematisiert wird die Geschichte einer Jüdin, die Opfer des Nationalsozialismus wurde. Ein erstaunliches Zeugnis der Judenverfolgung zu einer Zeit, als der Opfermythos noch nicht einmal ansatzweise zu zerbröseln begann. (Oliver Mark, DER STANDARD, 14.4.2015)

Filme und Termine:

  • "Müllers Büro" am 14. April um 21.50 Uhr
  • "Kurzer Prozess" am 15. April um 22.35 Uhr
  • "Der Engel mit der Posaune" am 17. April um 20.15 Uhr
  • "Singende Engel" am 17. April 23.25 Uhr
  • "Nordrand" am 21. April um 22.30 Uhr
  • "Kassbach" am 22. April um 23.40 Uhr
  • "Indien" am 24. April um 20.15 Uhr
  • "Charleys Tante" am 26. April um 22.45 Uhr
  • "Das andere Leben" am 28. April um 22.00 Uhr
  • "Totstellen - Der Sohn eines Landarbeiters" am 29. April um 22.25 Uhr
  • "Der Fall Wilhelm Reich" am 30. April um 21.05 Uhr
  • "Der Unfisch" am 30. April um 22.50 Uhr
  • "Die Fälscher" am 1. Mai um 20.15 Uhr
  • "Mann im Schatten" am 1. Mai um 22.45 Uhr
  • "Lauf Hase, lauf" am 2. Mai um 14.55 Uhr
  • "Sissi" am 5. Mai um 21.55 Uhr
  • "Sissi - Die junge Kaiserin" am 12. Mai um 21.55 Uhr
  • "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin" am 19. Mai um 22.35 Uhr
  • "Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen!" am 6. Mai um 22.45 Uhr
  • "Zwölfeläuten" am 8. Mai um 23.20 Uhr
  • "Freundschaft" am 11. Mai um 22.35 Uhr
  • "Der stille Ozean" am 13. Mai um 22.25 Uhr
  • "Freundschaft" am 14. Mai um 12.45 Uhr
  • "Der Bockerer" am 14. Mai um 21.05
  • "Mephisto" am 14. Mai um 22.50 Uhr"
  • "Geschichten aus dem Wiener Wald" am 15. Mai um 22.05 Uhr
  • "Heidenlöcher" am 15. Mai um 11.20 Uhr
  • "Die Klaverspielerin" am 20. Mai um 23.25 Uhr
  • "Lumpazivagabundus" am 24. Mai um 22.00 Uhr
  • "Das Fest des Huhnes" am 26. Mai um 22.20 Uhr
  • "Immer nie am Meer" am 26. Mai um 23.20 Uhr
  • "Hundstage" am 27. Mai um 22.25 Uhr
  • "Hinterholz 8" am 29. Mai um 20.15 Uhr
  • "Der Schüler Gerber" am 29. Mai um 22.55 Uhr
  • "Der Fall Jägerstätter" am 5. Juni um 22.45 Uhr
  • "Müllers Büro": Andreas Vitásek recherchiert in Wiens Unterwelt.
    foto: orf

    "Müllers Büro": Andreas Vitásek recherchiert in Wiens Unterwelt.

  • "Das andere Leben": Filmjuwel aus 1948.
    foto: orf/filmarchiv

    "Das andere Leben": Filmjuwel aus 1948.

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