Belgien: Hacker attackierten großen Zeitungsverlag

13. April 2015, 17:09
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Keine Verbindung zur Cyberattacke gegen TV5 Monde

Mit einer massiven Cyberattacke haben unbekannte Hacker die belgische Mediengruppe Rossel zum Abschalten ihrer Nachrichten-Websites gezwungen. Neben dem Internetauftritt der bekannten Zeitung "Le Soir" mussten auch mehrerer Regionalblätter am Sonntagabend vorsichtshalber für mehr als sechs Stunden aus dem Netz genommen werden. Nur so habe ausgeschlossen werden können, dass Hacker dort Nachrichten platzieren, berichtete der IT-Chef des Verlags, Pascal Van der Biest.

Keine Verbindung zu TV5 Monde

Über den Hintergrund des Angriffs gab es zunächst keine Informationen. Die Redaktion von "Le Soir" machte allerdings klar, dass nichts auf eine Verbindung zur Cyberattacke gegen TV5 Monde hindeute.

Im Namen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatten Hacker in der vergangenen Woche die IT-Systeme des französischen Senders gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Während des Angriffs platzierten sie Propaganda der Terrorgruppe auf den Webseiten und Social-Media-Angeboten des Senders.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter erweckte ein Nutzer mit dem Pseudonym DzFalcko den Eindruck, hinter dem Angriff zu stehen. Nach Angaben des Verlags war es zunächst allerdings nicht möglich, dies zu verifizieren.

Nach Angaben des IT-Chefs von Rossel begann der Angriff gegen 19.00 Uhr. "Das Problem konnte nicht aus der Ferne gelöst werden und deswegen sind wir ins Rechenzentrum, wo all unsere Server stehen." Nach einer ersten Analyse habe man sich entschieden, offline zu gehen, um auszuschließen, dass von außen Nachrichten platziert werden berichtete Van der Biest auf der zum Verlag gehörenden Nachrichten-Website Sudinfo. "Wir wollten keinerlei Risiko eingehen."

Geplanter Angriff

Nach seiner Einschätzung war die Tat ein professionell geplanter Angriff. Man könne aber noch nicht sagen, wer dafür verantwortlich sei. "Handelt es sich um eine isolierte Attacke oder einen Angriff eines Terroristen? Das ist schwer zu sagen", kommentierte er. Nach Angaben des Verlages gab es zuletzt keine entsprechenden Drohungen. Das Unternehmen erstattete am Montag Anzeige gegen unbekannt und erhöhte seine Sicherheitsvorkehrungen.

Der Chef der Zeitung "Le Soir", Didier Hamann, wies darauf hin, dass die Website seines Blattes regelmäßig angegriffen werde. Diesmal habe allerdings die Firewall nicht wie üblich funktioniert. "Wir versuchen, den Ursprung der Attacke festzustellen", sagte Hamann der belgischen Nachrichtenagentur Belga.

Die gedruckten Zeitungen des Verlags konnten am Montag planmäßig erscheinen. Am Morgen waren auch die Internetseiten des Verlags wieder erreichbar.

Zuletzt hatte es im Verlag am 11. Jänner Terroralarm gegeben. Damals mussten nach einer telefonischen Bombendrohung Redaktionsbüros von "La Capitale" und "Le Soir" in Brüssel geräumt werden. Als Anrufer wurde später ein Mitglied der linksextremen Szene identifiziert. Eine Bombe wurde nicht gefunden. (APA, 13.4.2015)

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