Boko Haram: Mehr Disziplin im Kampf gegen die Terroristen

14. April 2015, 08:08
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Hunderte Mädchen, Buben und Frauen sind weiterhin in den Fängen von Boko Haram

Abuja/Cotonou – Die roten T-Shirts der Protestbewegung #BringBackOurGirls, Informationen über Twitter und Facebook sowie Veranstaltungen in Nigeria sollen dafür sorgen, dass die Entführung von Chibok (Bundesstaat Borno) nicht in Vergessenheit gerät. Vor genau einem Jahr, in der Nacht zum 15. April, wurden insgesamt 276 Mädchen aus den Schlafsälen einer weiterführenden Schule verschleppt. Einige konnten in den vergangenen Monaten fliehen oder wurden freigelassen, 219 jedoch befinden sich noch immer in den Händen von Boko Haram.

Sie sind längst nicht mehr die Einzigen. Anfang April sprach der Flüchtlingsrat der Vereinten Nationen von unzähligen Entführungsopfern, die von der nigerianischen Terrorgruppe missbraucht, vergewaltigt und zu Selbstmordattentätern gemacht werden. Es ist eine perfide Methode, um im Nordosten Nigerias Ängste zu schüren und gleichzeitig Nachwuchs zu rekrutieren. Sie ist gut bekannt, denn Sicherheitsexperten zufolge hat sie das Militär gegen Boko Haram selbst genutzt. So wurden beispielsweise Familienangehörige verschleppt, um die Terrorgruppe zur Kapitulation zu zwingen. Doch die Strategie funktionierte nicht: Boko Haram ist bis heute Nigerias größtes Sicherheitsrisiko.

Neuer Optimismus

"Macht endlich mehr!", forderte deshalb Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai am Wochenende. Denn die Performance der früheren Regierung unter dem abgewählten Präsidenten Goodluck Jonathan ist in Sachen Chibok mehr als schlecht. Ein Jahr lang hatte es nur leere Versprechen vonseiten der Regierung gegeben. Mehrfach musste sie zugeben, dass sie nicht einmal wusste, wo die Mädchen sind – von Befreiungsversuchen ganz zu schweigen.

Hoffnung könnte nun allerdings der Einsatz der multinationalen Streitkräfte machen. Vorerst für ein Jahr sollen Soldaten aus den Nachbarländern Niger, Tschad, Kamerun und Benin gemeinsam mit der nigerianischen Armee die Terroristen bekämpfen. Oliver Dashe Doeme, katholischer Bischof in der Stadt Maiduguri, stimmt das optimistisch. "Wir hören, dass viele Gebiete wieder befreit sind", sagt er. Darüber hinaus setzt er auch auf den zukünftigen Präsidenten Muhammadu Buhari, dessen Amtseinführung am 29. Mai stattfindet. "Hoffentlich wird er sich im Kampf gegen Boko Haram sehr bemühen", so der Bischof.

Hartes Durchgreifen erwartet

Buhari selbst wies am Sonntagabend Gerüchte zurück, er habe angekündigt, dass Boko Haram bereits in zwei Monaten der Vergangenheit angehöre. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich so etwas nicht sagen würde", so Buhari in einem Fernsehinterview.

Allerdings wird dem 72-jährigen einstigen Karrieresoldaten ein sehr viel härteres Durchgreifen gegen die Terroristen zugetraut. "Mangelnde Disziplin" sei die Ursache für viele Probleme im Land, sagte Buhari. Für sein Beharren auf Disziplin und Ordnung war er schon in den 1980er-Jahren, in seiner Zeit als Militärherrscher, gefürchtet. Im Kampf gegen Boko Haram, so Beobachter, könnte diese Eigenschaft nun nützlich sein. (Katrin Gänsler, DER STANDARD, 14.4.2015)

  • Vor einem Jahr nahmen Boko-Haram-Kämpfer 276 Mädchen als Geiseln.
    foto: ap

    Vor einem Jahr nahmen Boko-Haram-Kämpfer 276 Mädchen als Geiseln.

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