Sexualstrafrecht bei "Im Zentrum": Herrenwitze zum Totlachen

13. April 2015, 20:33
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Anwalt und Arzt waren bezahlte Provokateure der Emanzenlobby. Wer würde nach ihrem Auftritt noch behaupten, der Feminismus habe sich überlebt.

Wer Manfred Ainedter schon vor Gericht erlebt hat, weiß, dass der Anwalt meist gelassen und redselig ist. Am Sonntagabend jedoch gehörte Ainedter zu den Empörten. Er saß in der Sendung Im Zentrum bei Ingrid Thurnher, wo man die Novelle im Sexualstrafrecht erörterte. Der zweite Empörte war Marcus Franz – ja, das ist der Arzt, der Homosexualität eine "Anomalie" nannte und für das Team Stronach im Hohen Haus sitzt.

Die beiden Männer ereiferten sich darüber, dass künftig auch das unerwünschte Begrapschen des Gesäßes einer Person strafbar sein soll. Was heißt Begrapschen! "Überprüfen" nennt es der Mediziner Franz, der durch einen sinngemäßen Tweet ein zweites Mal in seiner Karriere Aufsehen erregte: "Ob der Popsch hält, was der Blick verspricht. Das erfahren zu wollen wird nun bestraft."

Auch beim Tanzen fürchtet Franz künftig Schreckliches: Was, wenn die Hand abrutscht? Das alles soll man nicht mit dem Strafgesetzbuch regeln, sondern gesellschaftlich in den – Pardon – Griff bekommen. Und überhaupt könnten sich "starke Frauen" selbst wehren. (Die schwachen, schüchternen, verängstigten haben halt Pech.)

Ainedter, nicht minder fassungslos über die modernen Zeiten, nutzte seinen TV-Auftritt, um ein bisschen Beratung auch für jene Zuseherinnen anzubieten, die sich keinen Promianwalt leisten können. Er riet Frauen quasi davon ab, zur Polizei zu gehen, wenn sie durch ungewollte Berührungen belästigt wurden. Die Beamten dort würden nämlich so reagieren: "Die lachen sich tot."

Spätestens da musste es allen dämmern: Der Anwalt und der Arzt waren gar nicht echt! Die waren bezahlte Provokateure der Emanzenlobby. Denn wer würde nach ihrem Auftritt noch behaupten können, der Feminismus habe sich überlebt.

Nur Strafrechtlerin Katharina Beclin und der Grüne Albert Steinhauser gingen dem Duo auf den Leim und wollten echt helfen. Beclin erklärte dem Anwalt geduldig das Gesetz, Steinhauser klärte den Arzt auf, dass er genau keinen Po überprüfen müsse. Doch Franz kam erst richtig in Fahrt, als er sich in die Rechtswissenschaft vertiefte: Was bringe schon das Strafen? Es gebe doch auch Mörder, obwohl Mord strafbar ist.

Ginge es nach seinem Parteigründer, gäbe es zumindest keine Berufskiller mehr. Doch das ist eine andere Geschichte. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 14.4.2015)

  • Marcus Franz (Team Stronach) bei "Im Zentrum" am 12.4.2015.
    foto: screenshot/orftvthek

    Marcus Franz (Team Stronach) bei "Im Zentrum" am 12.4.2015.

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