Innsbruck: Verschwundene Erzähler

13. April 2015, 16:17
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Markus Bundi, Alois Hotschnig und Julia Gschnitzer im Literaturhaus am Inn

Kann der Erzähler einer Geschichte verschwinden? Ja, er kann. Insbesondere aus der virtuosen Prosa von Alois Hotschnig verflüchtigt er sich immer wieder. Hotschnig sagt dazu: "Das sogenannte wirkliche Leben wird einem durch keinen Erzähler erklärend beschrieben, warum sollte das in einem Text-Leben anders sein?" Wie lässt sich also eine Geschichte so erzählen, dass sich das Publikum derart in ihr verstrickt, dass ein Erzähler überflüssig wird? Dieser Frage geht der Schweizer Autor, Literaturkritiker und Philosoph Markus Bundi nach. Er untersucht die vielstimmige Erzählkunst Hotschnigs, analysiert und interpretiert diese und zeigt ihre Entwicklung auf.

Markus Bundi hat nun seine fundierten Erkenntnisse über Hotschnigs Werk in dem Essay Vom Verschwinden des Erzählers bei Haymon herausgebracht. Bei der heutigen Buchpräsentation im Literaturhaus am Inn in Innsbruck liest Schauspielerin Julia Gschnitzer aus den Texten und Bundi und Hotschnig unterhalten sich über abhandengekommene Erzähler. Alois Hotschnig wurde 1959 in Kärnten geboren. Er zählt zu den herausragenden Literaten Österreichs. Er studierte Medizin, Germanistik und Anglistik in Innsbruck, wo er als freier Autor lebt. Seine Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke wurden mit zahlreichen Preisen gewürdigt. 2011 wird Hotschnig als erstem Preisträger überhaupt der neu ausgelobte Gert-Jonke-Preis verliehen. Hotschnigs konsequentes und bedingungsloses literarisches Schaffen wird gerne in Verbindung mit Kafka, Bachmann oder Beckett gebracht. (dns, DER STANDARD, 14.4.2015)

14.4., Literaturhaus am Inn, Dienstag, 20.00

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