Laut-leise, vor allem aber: laut

13. April 2015, 17:14
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Das japanische Quartett Mono zählt zu den wichtigsten Bands des in den 1990er-Jahren entstandenen, rein instrumentalen Post-Rock-Genres. Ihr 2014 erschienenes Opus magnum "The Last Dawn/Rays Of Darkness " wird nun in Österreich vorgestellt

Wien - Das in den 1990er-Jahren entstandene Genre des "Postrock" gilt tendenziell immer schon als ideales Betätigungsfeld für Leute, die gern üben. Verkorkster Jazzrock ist dann allerdings zu kompliziert zu merken. Für wahnwitzige Metal-Konstruktionen fehlt das Amok-Gen. Rock selbst hat mit Nirvana die letzte Luft rausgeblasen.

Eingedenk der Tatsache, dass nicht nur in der Musik textlich laut Karl Valentin schon alles gesagt worden sei, aber eben noch nicht von allen, kamen Musiker auch zunehmend auf die Idee, nicht mehr unbedingt singen zu müssen. Parallel zur Entwicklung der elektronischen Musik, die ebenfalls irgendwann in den 1990er-Jahren als Techno zu Post-Techno wurde und ihren letzten wesentlichen Entwicklungsschub verzeichnete, stand plötzlich wieder der Sound als eigentlicher Inhalt im Vordergrund.

Neben diversen US-amerikanischen Bands wie Blind Idiot God oder Tortoise, Kanadiern wie dem jetzt beim Donaufestival gastierenden kanadischen Kollektiv Godspeed! You Black Emperor oder schottischen Vertretern wie Mogwai formierte sich Ende der 1990er-Jahre in Tokio das Quartett Mono. Gitarrist und Komponist Takaakira Goto und seine Begleitmusiker mussten sich dabei anfangs zwar den gegenüber Produkten aus Japan oft auch rein rassistisch gemeinten Vorwurf gefallen lassen, wieder einmal bloße Kopisten und Trittbrettfahrer aus Fernost zu sein. Allerdings beriefen sich Mono in ihrer Frühzeit auch selbst darauf, sich an Vorbildern wie den zwei den Postrock entscheidend vorbereitet habenden Bands Sonic Youth und My Bloody Valentine zu orientieren.

Da wie dort war der zeitlich zerdehnte, aus vertrauten Mustern gejagte, geschundene und vor allem mitunter auch absurd laute Sound und die - Achtung, altes Modewort - Dekonstruktion gängiger Songmuster der eigentliche Kern dieser Musik. Dazu wurde in oft bis zu einer Viertelstunde langen Kompositionen gern mit Laut-leise-Technik Dynamik erzeugt - wohl auch deshalb, um dem Vorwurf der gern unterstellten "Inhaltslosigkeit" von Instrumentalmusik entgegenzutreten.

Mächtige Soundwände

Nachdem Mono sich zuletzt gern mit japanischen Mythen und Volksmärchen beschäftigten und auch orchestrales Beiwerk wie Bläser- oder Streichersätze ornamental beimengten, kehren sie mit den Ende 2014 gleichzeitig veröffentlichten Alben The Last Dawn sowie Rays Of Darkness wieder verstärkt zum Ursprung ihrer Musik zurück. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug reichen oft aus, um sich in langsam zu mächtigen Soundwänden aufbauenden Stücken wie Surrender oder Elysian Castles zu einem infernalischen Dröhnen zu steigern. Natürlich dienen auch hier Bläser oder Tasteninstrumente als ergänzende Melodiequellen. Und manchmal geht die Reise dadurch auch hin zu innenarchitektonisch edlen Soundtapeten, wie man sie vom letzten, mühsam aus Studioresten zusammengebastelten Album der Melancholiker Pink Floyd kennt: The Endless River.

Allerdings ist in der Musik Monos noch immer genug Leben zu finden, um den Stücken eine Restenergie zu verleihen, die speziell live für intensive bis erschütternde Momente sorgt.

Mono befinden sich derzeit mit der US-amerikanischen Cellistin Helen Money auf großer Europatournee. Es gibt zwei Österreichtermine. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 14.4.2015)

Di., 14. 4., Arena, Wien, 20.00

Fr., 24. 4., Stadtwerkstatt, Linz, 20.00

  • Takaakira Goto (links) gastiert mit seinem Quartett Mono aus Tokio und ihren  mächtigen instrumentalen Postrock-Kompositionen in der Wiener Arena und in der  Linzer Stadtwerkstatt.
    foto: pelagic records

    Takaakira Goto (links) gastiert mit seinem Quartett Mono aus Tokio und ihren mächtigen instrumentalen Postrock-Kompositionen in der Wiener Arena und in der Linzer Stadtwerkstatt.

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