Jetzt werden weniger CEOs gefeuert

14. April 2015, 05:44
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Nur jeder zehnte Chief Executive Officer in den größten Konzernen im deutschsprachigen Raum wurde zuletzt getauscht. Viel mehr Frauen kamen nicht zum Zug

Es herrscht derzeit in den Vorstandsetagen der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgesprochene Kontinuität— auch im weltweiten Vergleich: So musste im vergangenen Jahr gerade einmal jeder zehnte Vorstandsvorsitzende eines deutschsprachigen Blue Chips seinen Posten zugunsten eines Nachfolgers räumen.

Mit 10,3 Prozent liegt die Wechselquote sogar genau zwei Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert von 12,3 Prozent. Im internationalen Vergleich verzeichnet der deutschsprachige Raum damit die wenigsten Führungswechsel.

Gegen den Trend

In Westeuropa stieg die Quote von 12,9 auf 14,3 Prozent und ist damit identisch mit dem globalen Durchschnittswert. Ähnlich wie im deutschsprachigen Raum, hat die japanische Wirtschaft mit 11,6 Prozent ebenfalls eine vergleichsweise geringe CEO-Fluktuation. In Nordamerika verharrte die Quote bei ebenso moderaten 13,2 Prozent.

Deutlich mehr Sesselrücken gab es dagegen in den Chefetagen der BRIC-Staaten: in China mussten 15 Prozent, in Brasilien, Russland und Indien sogar 15,9 Prozent der dortigen CEOs ihren Chefsessel räumen. Im direkten Branchenvergleich zeigt sich ein klares Bild: mit weltweit 24 Prozent und im deutschsprachigen Raum mit 43 Prozent Wechselquote gibt es in der Telekommunikationsindustrie die meisten Führungswechsel.

Die derzeit guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verstärken bei deutschsprachigen Konzernen offensichtlich den Trend zur langfristig geplanten und gut vorbereiteten Nachfolge für den Vorstandsvorsitz. So fanden 78 Prozent der Wechsel aufgrund von auslaufenden Verträgen oder festgelegter Altersobergrenzen und zwölf Prozent wegen Übernahmen oder Fusionen statt. Gerade einmal 10% mussten ihr CEO-Mandat vor Ablauf der vereinbarten Vertragslaufzeit niederlegen.

Dagegen wurden im gesamten westeuropäischen Wirtschaftsraum, in dem sich Krisenstaaten wie Spanien und Italien befinden, mit 21 Prozent der ausgeschiedenen CEOs mehr als doppelt so viele vom Aufsichtsrat zum Rücktritt gezwungen.

Durchschnittlich sechs Jahre CEO

Die Median-Verweildauer im Amt liegt im deutschsprachigen Raum bei sechs Jahren (2013: 6,8). In Westeuropa liegt dieser Wert bei 6,5 Jahren und im weltweiten Schnitt bei 5,3Jahren. Auch sind die ausscheidenden CEOs im deutschsprachigen Raum mit 56 Jahrenvergleichsweise jung. In Westeuropa liegt der Mittelwert bei 58 Jahren.

Das sind die zentralen Ergebnisse der "2014 Study of CEOs, Governance, and Success" der internationalen Managementberatung Strategy&, Teil des PwC-Netzwerks. Die Studie untersucht in ihrer vierzehnten Ausgabe sowohl die jährlichen, als auch die langfristigen Veränderungen in den Chefetagen der 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen.

Der digitale CEO

Trotz der relativen Stabilität in den Vorstandsetagen steht die Führungsspitze der deutschen und österreichischen Wirtschaft über alle Branchen hinweg strukturell wie personell vor einer immensen Umwälzung. "In den kommenden Jahren werden die Weichen für eine digitale Zukunft gestellt. Um bei Zukunftsthemen wie Industrie 4.0 und Smart Data eine Führungsposition zu bekommen und um als Wirtschaftsstandort auch international eine Vorreiterrolle spielen zu können, brauchen die Konzerne dringend auch an der Unternehmensspitze dezidiertes Digital-Know-how sowie Mut zum Umdenken", so Klaus Hölbling, Partner im Wiener Büro von Strategy&.

"Durch kürzere Innovationszyklen und die Implementierung digitaler Geschäftsmodelle wird die Rolle des CEOs neuinterpretiert. Vor diesem Hintergrund sinkt die Bedeutung von industriespezifischer Erfahrung. Technologie- und Digitalkenntnisse sowie Umsetzungserfahrung werden eine immer größere Rolle spielen." Das belegen auch die Studienergebnisse: Das Profil eines neu ernannten CEOs im deutschsprachigen Raum ist heute wesentlich diverser als noch vor ein paar Jahren.

Und es wird diverser

So stieg der Antei lextern rekrutierter CEOs gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozentpunkte auf nun 39 Prozent und liegt somit weit über dem globalen Wert von 22 Prozent. Des Weiteren hat die Hälfte aller neuen CEOs bereits operativeErfahrung in anderen Branchen gesammelt. Auch haben 23 Prozent der 2014 neu installierten CEOs einen internationalen Hintergrund. Weltweit liegt der Anteil neuer ausländischer Vorstandsvorsitzender bei lediglich 15 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis: 29 Prozent der neuen CEOs in deutschen, österreichischen und Schweizer Konzernen wurden promoviert. Im Vorjahr waren das mit 18 Prozent noch deutlich weniger. Weltweit liegt die Promotionsrate im Jahr 2014 bei lediglich elf Prozent. Dafür haben global mit 34 Prozent genau doppelt so viele neu installierte CEOs einen MBA-Titel als im deutschsprachigen Raum (17%, Vorjahr26%).

Frauenanteil noch immer gering

Auch in diesem Jahr untersuchte die Studie den Frauenanteil unter den CEOs. Zwar stieg der Anteil von Frauen unter den neu ernannten CEOs um zwei Prozentpunkte, erreicht aber dennoch nur magere fünf Prozent weltweit. "Diese Zahl ist nach wie vor ernüchternd, aber wir gehen weiterhin davon aus,dass sich dies in den kommenden Jahren grundlegend verändern wird und erwarten für das Jahr 2040ein Drittel neu ernannter weiblicher CEOs", so Hölbling.

Obwohl sich die beruflichen Profile von weiblichen und männlichen CEOs ähneln, verlieren Frauen häufiger ihren Posten als CEO als Männer: so mussten in den vergangenen elf Jahren 32 Prozent der weiblichen CEOs ihren Posten räumen, bei den Männern hingegen waren es nur 25 Prozent. (derstandard.at, 14.04.2015)

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