Zeitzeugen und Schüler gedachten Deportationen in Konzentrationslager

13. April 2015, 14:51
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Erstmals Gedenken am Platz des ehemaligen Wiener Aspangbahnhofes - Etwa 400 Schüler nehmen am Donnerstag in Auschwitz an Gedenkmarsch teil

Wien - Vom ehemaligen Wiener Aspangbahnhof in Wien-Landstraße fuhren die meisten der über 90 Transporte aus Österreich in Konzentrationslager (KZ) ab. Dorthin kamen am Montag Schulklassen, die in dieser Woche nach Auschwitz reisen werden. Anlass ist der Holocaust-Gedenktag am Donnerstag, an dem auch Zeitzeugen und österreichische Politiker das KZ besuchen werden.

Im Rahmen ihrer dreitägigen Reise werden die Schüler am "Marsch der Lebenden" teilnehmen. Überlebende des Vernichtungslagers und Menschen aus aller Welt werden am Donnerstagnachmittag schweigend vom ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zum Vernichtungslager Birkenau gehen.

Seit 1988 findet der "March of the Living" (MoL) am Holocaust-Gedenktag "Yom Hashoa" statt. Der Verein "March of Remembrance and Hope - Austria" (MoRaH) organisiert seit 2007 die Teilnahme von alljährlich 300 bis 500 österreichischen Schülern. Anlässlich des Kriegsendes vor 70 Jahren werden heuer neben den annähernd 400 Jugendlichen auch Vertreter Österreichs - angeführt vom zweiten Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP) und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) - und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, teilnehmen.

Kontakt mit Überlebenden

Deutsch erklärte anlässlich der erstmals abgehaltenen Gedenkveranstaltung am ehemaligen Aspangbahnhof, dem heutigen Platz der Opfer der Deportation, dass man in Österreich über viele Jahrzehnte hinweg vielerorts das "Nicht-erinnern gepflegt" und sich dies erst in den vergangenen 20 Jahren nachhaltig verändert habe. Die Jugend zeige nun aber starkes Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Dass schon seit einigen Jahren so viele Schüler die Reise nach Auschwitz antreten und mit Überlebenden und Zeitzeugen in Kontakt treten wollen, belege das eindrucksvoll.

Anita Lasker-Wallfisch hat im KZ-Auschwitz wie durch ein Wunder ein ganzes Jahr lang überlebt. Gerettet hat sie ihre Fähigkeit, Cello zu spielen: Als Cellistin im Mädchenorchester von Auschwitz musste sie für die Menschen, die alltäglich in die Gaskammern oder zum Arbeitseinsatz getrieben wurden, spielen. Angesichts dieser Erlebnisse hat sie sich Zeit ihres Lebens das Ziel gesetzt, für die "Millionen Menschen zu sprechen, die keine Stimme mehr haben", erklärte sie.

Mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen und dem Anteil, den Österreicher daran hatten, habe man sich hierzulande beschämenderweise zurückgehalten, hielt auch ÖBB-Chef Christian Kern fest. Die Transporte vom Aspangbahnhof und anderen Orten hätten auch die ÖBB dazu motiviert, sich spät, aber doch in einem Forschungsprojekt mit dem Anteil des Unternehmens am Holocaust auseinanderzusetzen. Dass die Vertriebenen auch noch für ihre "Fahrt in den nahezu sicheren Tod" zur Kasse gebeten wurden und sogar ein "Rabattsystem" dafür entwickelt wurde, zeige "die Profanität, mit der dieser Irrsinn betrieben wurde", so Kern.

Zukunft

Bereits im Vorjahr waren die beiden Schüler Paulina Koschitz und Nepomuk Trautmanndorff mit dem KZ Auschwitz konfrontiert. Dort werde viel vorstellbarer, was passiert sei, erklärten die Schüler des Theresianums in Wien. Aus dieser wichtigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit schöpfen sie nun zusätzliche Motivation, "die Zukunft richtig anzugehen", erklärten sie.

Angesichts der Grausamkeiten, die etwa die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) täglich verübe, dürfe man niemals vergessen, dass so etwas "vor nicht allzu langer Zeit" auch in Wien passiert sei, gab der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zu bedenken. Man strebe daher auch die Errichtung eines Mahnmals am ehemaligen Standort des Aspangbahnhofes an.

Bei den Gedenkfeiern in Polen wird Österreich neben Kopf und Heinisch-Hosek auch von der Klubobfrau der Grünen, Eva Glawischnig, und der Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) vertreten. (APA, 13.4.2015)

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