Sewol-Unglück: Das unberührte Andenken der Familien

Ansichtssache14. April 2015, 13:09
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Die Zimmer der Toten des Fährunglücks vor einem Jahr wurden für die Angehörigen ein Ort der Erinnerung

Vor einem Jahr war ganz Südkorea in Trauer. Am 16. April 2014 sank die Fähre Sewol vor der Küste des Landes. Das Unglück tötete mehr als 300 Menschen, darunter fast 250 Schüler, die auf dem Heimweg von einem Ausflug waren. Der Kapitän der Fähre wurde mittlerweile zu 36 Jahren Haft verurteilt, auch weitere Crewmitglieder erhielten hohe Haftstrafen.

Seit der Katastrophe, die wahrscheinlich durch eine Kombination von schlecht ausgebildeter Crew, zu hoher Beladung und nicht genehmigten Schiffsumbauten ausgelöst wurde, fordern die Angehörigen der Opfer eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle. Bei Protesten rasierten sie sich unter anderem die Haare ab, um ihr Anliegen zu unterstreichen.

Entschädigung vom Staat

Kurz vor dem ersten Jahrestag wurden ihnen nun von der südkoreanischen Regierung Entschädigungszahlungen zugesprochen. Bis zu rund 665.000 Euro sollen die Familien erhalten: Der Betrag ist abhängig vom Alter und Einkommen der Verstorbenen.

Für die Angehörigen der Toten hat sich seit dem Unglück alles verändert – und auch wieder wenig. Die Zimmer der Verstorbenen wurden für sie ein Ort des Andenkens, den sie seit dem Tod ihrer Geliebten nicht verändert haben. Reuters-Fotograf Kim Hong-ji besuchte die Familien und ließ sich die Zimmer zeigen und ihre Geschichte erzählen. (red, derStandard.at, 13.4.2015)

foto: reuters/kim hong-ji

Shin Jum-ja und Jung Soo-beom sind die Mutter und der jüngere Bruder von Jung Hwi-beom.

Shin erzählt: "Vor dem Unfall redete meine Familie viel. Jetzt sparen wir unsere Wörter, versuchen uns nicht zu verletzen. Ich wünsche mir, Hwi-beom noch einmal zu sehen. Ich würde ihn gern umarmen."

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foto: reuters/kim hong-ji

Eom Ji-yeong ist die Mutter von Park Ye-ji.

Eom erzählt: "Jedes Andenken an unser Kind ist noch immer hier. Ich würde es gern finden und würde auch gern die Wahrheit und den Grund wissen, warum den Kindern nicht angeordnet wurde, die Fähre zu verlassen."

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foto: reuters/kim hong-ji

Kim Mi-hwa ist die Mutter von Bin Ha-yong.

Kim erzählt: "Die Kinder sind alle schön und kostbar. Jedes von ihnen hat das Recht, geliebt zu werden und Träume zu haben. Diese Kinder verloren zu haben ist ein unfassbarer Verlust für unser Land."

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foto: reuters/kim hong-ji

Jung Hye-suk ist die Mutter von Park Sung-ho, einem Schüler.

Jung erzählt: "Gute Kinder sind wegen Fehlern von Erwachsenen gestorben. Das Sewol-Unglück hat uns etwas über die Probleme unserer Gesellschaft gelehrt, Erwachsene sollten jede Anstrengung unternehmen, diese zu lösen, obwohl es für uns schon zu spät ist. Wir müssen uns anstrengen, um zu vermeiden, dass sich so ein Desaster wiederholt."

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foto: reuters/kim hong-ji

Jung Bu-ja und Shin Chang-sik sind die Eltern von Shin Ho-sung.

Jung erzählt: "Ich war protestieren, wollte eine Untersuchung, um herauszufinden, was die wahren Gründe für den Untergang waren. Einige ausländische Touristen machten Fotos von mir. In diesem Moment fühlte ich mich wie eine Außerirdische, obwohl ich in diesem Land lebe. Ich wollte wissen, warum alle Crewmitglieder gerettet wurden, unsere Kinder aber sterben mussten."

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foto: reuters/kim hong-ji

Kim Youn-sil ist die Mutter von Jeong Cha-woong.

Kim erzählt: "Es tut mir so leid für Cha-woong, und ich vermisse ihn so sehr. Diese Kinder, die ruhig bis zum letzten Moment in der Fähre saßen und sich um uns sorgten, waren besser als wir. Ich vertraue nicht mehr in mein Land. Ich will ins Ausland gehen, wenn das für mein ältestes Kind in Ordnung ist."

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foto: reuters/kim hong-ji

Kim Young-lae und Kim Sung-sil sind die Eltern von Kim Dong-hyuk.

Kim Young-lae erzählt: "Es muss eine gründliche Untersuchung geben, und die Verantwortlichen müssen bestraft werden. Diese Art von Unglück könnte vielleicht wieder passieren, und wir wissen nicht, warum es passiert ist."

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foto: reuters/kim hong-ji

Kim Yu-jeong ist die Mutter von Jeon Ha-yeong.

Kim erzählt: "Ich wünsche mir, dass uns unser Land das Gefühl geben kann, dass wir beschützt werden. Ich will Ha-yeongs jüngerer Schwester von meinem stolzen Land erzählen, aber das kann ich in diesen Tagen nicht. Wir als Erwachsene haben die Pflicht, unsere Kinder zu beschützen. Ich hoffe, dass unsere Kinder gut aufwachsen und unser Land in die richtige Richtung führen."

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foto: reuters/kim hong-ji

Ahn Myeong-mi ist die Mutter von Moon Ji-sung.

Ahn erzählt: "Mein Blick auf mein Land hat sich verändert. Ich habe gedacht, dass mein Land gut ist. Ich habe dafür gebetet. Wie auch immer, nach dem Unglück konnte ich eine Zeitlang nicht mehr beten."

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foto: reuters/kim hong-ji

Lee Sun-mi ist die Mutter von Kim Ju-hee.

Lee erzählt: "Es muss eine gründliche Untersuchung durchgeführt werden. Der Frühling ist gekommen, und die Blumen blühen auf, aber wir Mütter können nicht lächeln. Ich hoffe, dass die Kinder, die noch vermisst werden, gefunden werden. Ich wünsche mir, dass ich meine Tochter zurückholen könnte. Die Welt nach der Tragödie ist nicht mehr der Ort, den ich kannte."

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foto: reuters/kim hong-ji

Lee Hye-kyung ist die Mutter von Jeon Hyeon-tak.

Lee erzählt: "Hyeon-taks Leiche wurde am 1. Mai gefunden. Wie kann ich nur ein Wort sagen, wenn ich mit solch einer Trauer konfrontiert bin. Ich habe keinen Lebenswillen mehr. Ich habe ihn mit meiner ganzen Liebe aufgezogen. Hyeon-tak, danke für das Leben, dass du mit mir verbracht hast."

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