Wie eine Zwölfjährige für Gleichberechtigung in Videospielen kämpft

15. April 2015, 10:00
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Mädchen untersuchte 50 Spiele auf weibliche Protagonisten: Heldinnen seltener und teuer

Maddie Messer ist ein zwölfjähriges Mädchen, das gerne Videospiele spielt. Vor allem auf ihrem Smartphone begeistert sie sich für Games wie "Temple Run". Dort läuft der Protagonist durch verschiedene Landschaften und wird mit Wischbewegungen an Hindernissen vorbei manövriert. Alleine auf Android wurde der Titel bereits über 100 Millionen mal installiert.

Doch dem Mädchen war bei "Temple Run" und Co. etwas aufgefallen, schreibt sie in einem von der "Washington Post" veröffentlichten Artikel. Eine ihrer Freundinnen bestritt ein Spiel als männlicher Held, eine weibliche Figur war gar nicht vorgesehen. Ein Umstand, der ihr in weiterer Folge auch bei anderen Titeln auffiel.

50 Games untersucht

Um herauszufinden, ob es sich um eine flächendeckende Erscheinung handelt, lud sie die 50 meistnachgefragten "Endless Running"-Spiele aus Apples iTunes-Angebot auf ihr Telefon. Für diese Games ermittelte sie, ob sie standardmäßig einen männlichen Helden oder eine Heldin boten, ob überhaupt weibliche Protagonisten zur Auswahl standen und ob man diese kostenlos wählen oder für sie bezahlen musste.

Das Ergebnis: Während bei 18 Prozent der begutachteten Spiele der Hauptfigur kein Geschlecht zugeordnet konnte, weil es sich etwa um einen Affen oder eine Kartoffel handelte, präsentierten 98 Prozent aller anderen Games einen männlichen Helden. Nicht einmal jedes zweite Spiel davon hatte überhaupt einen weiblichen Avatar im Angebot.

45 der 50 untersuchten Spiele boten einen kostenlosen Helden an, aber nur 15 Prozent eine gratis spielbare Heldin. Messer sieht dies als "lächerlich" an, zumal sich die Spielerschaft von "Temple Run" zu 60 Prozent aus Frauen zusammensetzen soll.

Oft kostenpflichtig

Im Schnitt würde das Freischalten einer weiblichen Spielfigur 7,53 Dollar kosten, also mehr als oft für komplette Spiele verlangt wird. Durchschnittlich zahlte Messer für jede Premium-App aus ihrer Testreihe 26 Cent. In "Temple Run Oz" von Disney müsste man 30 Dollar investieren, um die einzige weibliche Figur zu erhalten.

"Das Fehlen weiblicher Charaktere impliziert, dass Mädchen nicht gleichwertig zu Jungen sind", schreibt Messer. "Ich bin ein Mädchen und bevorzuge es, in diesen Spielen ein Mädchen zu spielen. Ich will dafür nicht zahlen."

Ihr Artikel hat mittlerweile Wellen geschlagen. "Es war beschämend, das lesen zu müssen", erklärt Natalia Luckyanova, die gemeinsam mit ihrem Mann die "Temple Run"-Reihe umsetzt, gegenüber NPR. Man habe damals bemerkt, dass viele Frauen das Spiel spielten und daher eine kostenpflichtige Heldin eingeführt, mit der man viel Geld eingenommen habe.

Diskriminierung

Verbesserte Fähigkeiten hatte diese allerdings nicht mitgebracht. Ohne dies vielleicht zu wollen, so NPR weiter, habe man sich des Prinzips der Preisdiskriminierung bedient, also des Verlangens unterschiedlicher Preise für beinahe idente Güter von verschiedenen Zielgruppen. Eine Strategie, die etwa schon lange in der Luftfahrtbranche gepflegt wird, oder aber auch von anderen Betrieben in Form von Rabatten für Pensionisten oder Studenten. Basiert der Preisunterschied allerdings am Geschlecht, sei diese Praxis jedoch nur noch schwer von Geschlechterdiskriminierung zu unterscheiden.

Man hätte eigentlich gute Intentionen damit verfolgt, realisiere aber, dass oft "weiße Männer" der Standard bei Spielehelden seien, erklärt Luckyanova. Für "Temple Run" wird die Spielfigur "Scarlett Fox" künftig kostenlos angeboten. Änderungen kündigte auch Disney an. Die Macher eines anderen Spieles, "Noodles Now", reagierten, in dem sie gemeinsam mit Messer eine neue Heldin mit dem Namen "Maddie" kreierten. (gpi, 15.04.2015)

  • Scarlett Fox ist die einzige Heldin in der originalen "Temple Run"-Protagonistenauswahl. Sie soll künftig kostenlos spielbar sein.
    foto: temple run

    Scarlett Fox ist die einzige Heldin in der originalen "Temple Run"-Protagonistenauswahl. Sie soll künftig kostenlos spielbar sein.

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