Dicke Luft zwischen Rosberg und Hamilton

13. April 2015, 13:26
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Diskussionen zwischen den Mercedes-Piloten nach Grand Prix von China - Motorsportchef Wolff: "Wir müssen aufpassen" - Laut Lauda holen nur "egozentrische Bastarde" den WM-Titel

Shanghai - Für Formel-1-Vizeweltmeister Nico Rosberg ist der Streit mit seinem Mercedes-Stallrivalen Lewis Hamilton nach dem China-Grand-Prix erledigt. "Wir hatten ein sehr gutes Zusammensitzen, eine gute Diskussion. Da war viel konstruktive Kritik", beschrieb der Deutsche in einer Twitter-Botschaft an einen Fan die Nachbereitung des Rennens in Shanghai. "Das ist jetzt für alle eine Sache der Vergangenheit."

Rosberg hatte China-Sieger Hamilton vorgeworfen, seinem Rennen durch angebliche Tempoverschleppung geschadet zu haben. Während der englische Weltmeister am Sonntag klar den Ton angab, übte Ferrari-Mann Sebastian Vettel als Dritter großen Druck auf den am Ende zweitplatzierten Rosberg aus.

Wolff warnt vor Eskalation

Trotz der Beschwichtigungsversuche herrscht höchste Vorsicht. "Wir müssen aufpassen, dass es vor allem nicht dazuführt, dass eine Situation eskaliert", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Der Wiener ist um Besonnenheit in der sich abzeichnenden nächsten Eiszeit zwischen seinen beiden Piloten bemüht. "Die schenken sich beide nichts. Die Rivalität ist okay, solange sie nicht zu weit geht."

Trotz des zweiten Doppelerfolgs dieser Saison sind sie bei Mercedes um Schadensbegrenzung bemüht. Ex-Serien-Weltmeister Sebastian Vettel dürfte das durchaus mit Genugtuung verfolgen. Schließlich übt der Ferrari-Neuling auf das auf Dauersiege programmierte Weltmeisterteam unangenehmen Druck aus und will für weitere Unruhe sorgen.

"Wir haben bis jetzt alle Erwartungen übertroffen. Trotzdem ist die Motivation da, um die Jungs in Zukunft richtig unter Druck zu setzen", betonte Vettel, nachdem sich kurioserweise erstmals in der Formel-1-Geschichte dieselben drei Fahrer in den ersten drei Rennen die Plätze auf dem Podium geteilt hatten.

Hamilton stressfrei

Shanghai-Sieger und WM-Spitzenreiter Hamilton dürften Rosbergs Äußerungen auf der Pressekonferenz am Sonntag ebenfalls durchaus passen. Denn der auf dem Asphalt so eiskalte Brite konnte live miterleben, wie sehr er seinen Stallrivalen mit seiner Renntaktik reizen kann. "Ich weiß gar nicht so recht, was sein Problem eigentlich ist", meinte Hamilton relaxt. "Wir sind angereist, um die ersten beiden Plätze zu belegen und haben das auch geschafft. Da sollte eigentlich nicht zu viel Stress sein."

Rosberg vertraut darauf, dass sich so etwas nicht wiederholt. "Ich bin zuversichtlich, weil das Team das sehr gut gemanagt hat", beteuerte der Deutsche. Konnte Hamilton seinen Ärger nachvollziehen? "Nach den Diskussionen jetzt: ja", meinte Rosberg.

Eine große Neuauflage des Team-Krachs soll es bei Mercedes schließlich nicht wieder geben. "Wir versuchen kontroverse Situationen zu vermeiden. Das ist aber nicht immer leicht", räumte Wolff ein. "Dass Nico mit der Situation nicht happy ist, ist nachvollziehbar. Dass Lewis es so gespielt hat, ist auch verständlich." Denn Wolffs Maxime lautet: "Wir wollen ihnen nicht den letzten Zahn an Racer-Emotion ziehen."

Lauda sieht "egozentrische Bastarde"

Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda bewertete den Streit ebenfalls nüchtern, denn jeder Pilot fahre egoistisch. "Ich nenne sie egozentrische Bastarde", meinte Österreichs F1-Legende zu englischen Medien ganz allgemein über die Spezies Rennfahrer. "Das ist der einzige Weg, um zu gewinnen und die Weltmeisterschaft zu holen."

Hamilton und Rosberg würden sich mit den gleichen Mitteln bekämpfen. "Wenn du Rennen fährst, musst du kämpfen und wenn du sauer bist, gibst du Statements ab", erklärte Lauda. "Aber am Ende werden sie sich alle beruhigen, nach Bahrain gehen und mit demselben Kampf von neuem anfangen." (APA, 13.4.2015)

  • Man kennt sich.
    foto: apa/ap/wong

    Man kennt sich.

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