Ein Jahr nach Katastrophe am Berg: Zurück zum Everest

13. April 2015, 13:21
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Einige Sherpas haben den Beruf gewechselt, nachdem vor einem Jahr eine Lawine 16 Nepalesen am Mount Everest tötete. Nun beginnt die neue Saison. Erneut bringen Sherpas Touristen auf den höchsten Berg der Welt

Wie jedes Jahr erwacht der Pfad zum Mount Everest im April zum Leben. Unzählige Träger laufen darauf, gebückt, um die Stirn hängt ein Trageband - mit bis zu 60 Kilogramm schweren Lasten, manchmal so hoch wie sie selbst. Maultiere schleppen sich über Hängebrücken und unter blühenden Kirschbäumen hindurch. Am Wegesrand verkaufen Sherpas Tee und Kekse oder bieten Schlafplätze an. Auch die ausländischen Wanderer und Bergsteiger sind wieder da. Wie zu jedem Frühlingsbeginn geht es am höchsten Berg der Welt rege zu. Und doch ist in diesem Jahr vieles anders als sonst.

"Meine Mutter sagt, sie möchte nicht, dass ich noch einmal den Everest erklimme", sagt Bergführer Temba Tsheri Sherpa. Denn im vergangenen Jahr, am 18. April 2014, passierte das schlimmste Unglück in der Geschichte des Berges: Ein gigantischer Eisbrocken brach aus dem Khumbu-Eisfall, krachte auf den Gletscher herab und löste eine Lawine aus, die donnernd über die Everest-Aufstiegsroute fegte. 16 Nepalesen starben unter Eis und Schnee.

Die ausländischen Bergsteiger sind wieder da

Temba Tsheri kennt 15 Sherpas, die ihren Beruf gewechselt haben. Auch er bleibt nun in Kathmandu, als Geschäftsführer der Agentur Dreamer's Destination Treks and Expeditions. Rund 300 ausländische Bergsteiger sind nach offiziellen Angaben wieder nach Nepal gereist, um den 8.848 Meter hohen Everest zu besteigen. Viele von ihnen waren schon im vergangenen Jahr da. Sie hatten den Aufstieg nach dem Unglück abgebrochen und wollen es jetzt noch einmal wissen.

Die Chinesin Amy Liu etwa meint, diesmal sollte es wirklich klappen. "Unser Team ist physisch und psychologisch besser vorbereitet, und wir wollen das jetzt verwirklichen", sagt sie. Im Jahr 2013 bestiegen mehr als 300 Menschen den Gipfel. Im vergangenen Jahr schaffte es nur ein Team: die Chinesin Wang King und ihre Sherpas. Sie nahmen allerdings als erste Expedition überhaupt den Helikopter über den Eisfall hinweg bis zum Camp 2 - was großes Grummeln in der Bergsteiger-Gemeinde auslöste.

Kritik an der Kommerzialisierung

Auch die zunehmende Kommerzialisierung des Berges stößt vielen unangenehm auf. Jeder Ausländer muss nun 11.000 US-Dollar (etwa 10.400 Euro) für eine Gipfelgenehmigung zahlen, das sind 1.000 Dollar mehr als im vergangenen Jahr. Sherpas beschweren sich, dass die Millionen in die Taschen der Regierung fließen statt dafür verwendet zu werden, die niedrigen Versicherungssummen der nepalesischen Bergführer und Träger zu erhöhen oder den Hinterbliebenen der Opfer eine bessere Entschädigung zu zahlen.

Temba Tsheri meint, die Behörden sollten lieber die fitten Bergsteiger auf den Berg lassen statt diejenigen mit dem meisten Geld. "Es dürfen ja sogar Leute hoch, die nicht einmal mit Steigeisen umgehen können", klagt er. Das mache das Bergsteigen für alle gefährlicher. Hinzu komme, dass die Zahl der Agenturen zunehme. "Wir unterbieten uns gegenseitig mit den Preisen", erklärt er.

Einige Teile der Route "voller Scheiße"

Gyanendra Shrestha vom Tourismusministerium verweist hingegen auf die Reformen des vergangenen Jahres. So seien jetzt drei Ärzte im Basislager stationiert, außerdem sei die neue Route durch den Gletscher sicherer. "Unsere Eisfall-Doktoren haben einen neuen Pfad durch den Khumbu geschaffen, der weit von der Stelle entfernt ist, wo im vergangenen Jahr die Lawine verlief." Außerdem müssten nun alle Bergsteiger beim Abstieg mindestens acht Kilogramm Müll mit hinunterbringen.

Doch die Zelte und Sauerstoffflaschen und Gaskartuschen am Berg seien meist gar nicht mehr das Problem, sagen manche Bergsteiger. Sondern die menschlichen Exkremente. "Einige Teile der Route sind voller Scheiße, und der Gestank ist wirklich grausam, wenn man dort entlanggeht", sagt Lhakpa Sherpa, der den Everest viermal bestiegen hat. "Die Regierung muss etwas tun, damit die Bergsteiger wirklich all ihren Müll wieder mit ins Tal nehmen." (APA, 13.4.2015)

  • Die zunehmende Kommerzialisierung des Berges stößt vielen unangenehm auf. Jeder Ausländer muss nun 11.000 US-Dollar (etwa 10.400 Euro) für eine Gipfelgenehmigung zahlen, das sind 1.000 Dollar mehr als im vergangenen Jahr.
    foto: ap photo/tashi sherpa

    Die zunehmende Kommerzialisierung des Berges stößt vielen unangenehm auf. Jeder Ausländer muss nun 11.000 US-Dollar (etwa 10.400 Euro) für eine Gipfelgenehmigung zahlen, das sind 1.000 Dollar mehr als im vergangenen Jahr.

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