Höhere Grunderwerbssteuer dürfte zu Vorzieheffekten führen

13. April 2015, 07:39
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"Unternehmer sind die absoluten Verlierer dieser Steuerreform" - Bankgeheimnis noch kein großes Thema

Wien - Die Steuerreform dürfte heuer zu einem kleinen Boom bei der Übertragung von Grundstücken und Immobilien führen. Aufgrund der künftig höheren Besteuerung von Transaktionen gebe es bereits deutlich mehr Anfragen seiner Kunden, sagt David Gloser, Geschäftsführer der Ecovis-Steuerberatungskanzlei in Wien. Wenig Aufregung herrscht hingegen wegen der De-Facto-Abschaffung des Bankgeheimnisses.

Versteckte Schenkungssteuer

Dadurch dass die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung einer Schenkung vom dreifachen Einheitswert auf den Verkehrswert umgestellt wurde, wird die Abgabe bei teureren Immobilien um das zehn- bis fünfzehnfache teurer, rechnete Gloser vor. Dementsprechend groß sei das Interesse seiner Kunden. Letztlich sei dies "eine versteckte Schenkungssteuer". Das Bankgeheimnis werde hingegen kaum angesprochen. "Wenn einer Steuern hinterzieht, wird es bar sein und nicht über Konten laufen", vermerkt Gloser trocken.

"Unternehmer sind die absoluten Verlierer dieser Steuerreform", so Gloser. Typische Mittelständler sind in ihrer GmbH angestellt und schütten sich am Jahresende den Gewinn aus. Sie werden durch die künftig höhere Steuer auf Gewinnausschüttungen mehr verlieren, als sie durch die Tarifreform gewinnen. "Man trifft hier nicht Aktienspekulanten, sondern typische gewerbliche Mittelständler", etwa Baumeister, Installateure, kritisiert Gloser. Auch gebe es überhaupt keine Senkung der Lohnnebenkosten, die zu einer Entlastung der Firmen geführt hätte. "Eine Lohnnebenkostensenkung in einigen Jahren zu versprechen ist zu wenig".

Unternehmer "ziemlich sauer"

Insgesamt habe man in Wahrheit nur ein paar Steuersätze geändert. "Dafür hätte ich keine Steuerreformkommission gebraucht - das hätten zwei Steuerberater in einer Viertelstunde geschafft" ätzt Gloser, der eingesteht, dass er als Unternehmer "ziemlich sauer" ist. Allerdings könne gerade der Mittelstand kaum ins Ausland ausweichen. "Die werden weiter kämpfen müssen und Steuern zahlen", während Großbetriebe wie die VOEST nun halt laut darüber nachdenken würden, ob sie ihre nächste Großinvestition überhaupt noch in Österreich tätigen. (APA, 13.4.2015)

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